Der längste Sommer Tirols.
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Ausflug mit Höhenbonus

Ausflug mit Höhenbonus

Ausflug mit Höhenbonus

Ausflug mit Höhenbonus

Ausflug mit Höhenbonus

Ausflug mit Höhenbonus

Ab einer Höhe von 2.000 Metern über dem Meer kommen beim Wandern besonders effiziente Trainingseffekte zur Wirkung. Deshalb empfiehlt sich ein Abstecher nach Kühtai. sonnenzeit hat die Herausforderung angenommen und ist auf Schusters Rappen auf dem neuen Oberhofer Höhenweg gewandert, der das Inntal mit dem benachbarten Kühtai verbindet.

Zugegeben: Die ersten drei der Gesamtgehzeit von neun Stunden sparen wir uns. Obwohl landschaftlich sehr reizvoll, lässt sich nämlich die Strecke bis zur Oberhofer Melk­alm (1.669 m) auch ganz passabel mit dem Auto bewältigen. Dann ist aber Ende mit fahrbarem Gelände und es beginnt der abwechslungsreiche Oberhofer Höhenweg, der im August 2014 nach umfangreichen Sanierungsarbeiten seiner Bestimmung übergeben wurde, nämlich das Inntal mit Kühtai zu verbinden. Kurz den Ausblick ins Inntal genießen und weiter geht’s auf dem sehr gut ausgebauten Steig zur Sonnkarhütte. Hier nutzen Gipfelstürmer die Möglichkeit zur Überschreitung des Sonnkarköpfls (2.267 m), wir Bequemeren wandern weiter über Almweidegebiet bis zum Marktlbach. Von hier aus gibt es eine Aufstiegsmöglichkeit zur Oberhofer Galtalm (1.613 m) und zur Flaurlinger Alm (1.613 m). Unser Weg, der Höhenweg, führt weiter zum Kanzingbach und über die Flaurlinger Scharte (2.400 m) auf einem schmalen Steig abwärts zur Zirmbachalm (1.799 m) bei Kühtai. Und von hier ist es nur mehr ein Katzensprung in den Ort Kühtai und zu seiner umliegenden Bergwelt. Obwohl uns diese jetzt und hier von unten auch gut gefällt, haben wir doch knapp sechs Stunden Marsch hinter uns. Weshalb wir später das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel gerne nutzen werden, um ins Inntal zurückzukehren. Aber erst übermorgen, denn „’s Kühtai“ – wie die Tiroler sagen – hat auch im Sommer mehr zu bieten, als sich auf den ersten Blick erahnen lässt.

Kühtai kommt höchst gelegen
Der kleine Ort Kühtai liegt auf 2.020 Meter über der Meereshöhe und ist damit der höchst gelegene Wintersportort Österreichs. Aber auch in bekannten Skiorten wird es Sommer. Und was für einer! Wenn man im Tal oft bereits unter frühsommerlicher Hitze stöhnt, ziehen sich am Kühtaisattel und in der umliegenden Bergwelt die letzten Schneefelder zurück und die Alpenblumen kommen erst so richtig voll zur Entfaltung. Ganz besonders eindrucksvoll ist es, wenn Anfang Juni die Alpenrosen blühen. Kühtai, das geographisch dem Sellraintal zugewandt ist, aber zur Oberinntaler Gemeinde Silz gehört, liegt dann inmitten eines farbenprächtigen botanischen Gartens. Das ist die schönste Zeit für Höhenwanderungen. Aber auch der Hochsommer mit seinen saftig-grünen Almweiden und der Herbst, der mit bunten Farbenspielen bezaubert, sind ideal für Wanderausflüge nach Kühtai. So weit oben befindet man sich inmitten nahezu unberührter Natur und besonders nah am Himmel, aber es gibt noch einen zusätzlichen, sehr wünschenswerten körperlichen Effekt: Die Höhenlage wirkt sich äußerst positiv auf Herz, Kreislauf, Stoffwechsel und den gesamten Organismus aus. Deshalb kommen auch viele Hobby- und Profisportler nach Kühtai, um hier ihr Höhentraining zu absolvieren. Im bestens ausgestatteten Höhenleis­tungszentrum trainieren Olympiasieger und solche, die es noch werden wollen.

Höhenluft mit Blütenduft
Was Sportler zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit nutzen, steht auch Wanderern gratis zur Verfügung: Durch die Bewegung in der Höhenluft wird die Produktion der roten Blutkörperchen angeregt, dadurch werden die Fettreserven schneller abgebaut. Man fühlt sich nicht nur leichter, man wird es auch – fast wie von selbst. So nimmt man auch größere Touren leichter in Angriff, wie z. B. die Sellrainer Hüttenrunde, die in mehreren Varianten zu verschiedenen bewirtschafteten Hütten und Almen führt. Man kann sich rund um Kühtai kurze Spaziergänge, mittelschwierige Wanderungen und Bergbesteigungen sowie lange, fordernde Touren aussuchen. Schöne Aussichten bescheren alle: Höhen-Panoramawanderungen, Wandern zum Finstertaler Stausee (2.325 m), zur Drei-Seen-Hütte (2.311 m), zu den Plenderlesseen, zum Hirschebensee oder zum Längentaler Stausee (1.904 m) – eventuell mit anschließender Besichtigung des Speicher-Kraftwerkes. Gipfeltouren bieten sich an auf den Wetterkreuzkogel (2.591 m) oder auf den Neunerkogel (2.642 m). Eine zackige Route für Geübte verläuft über den Panorama-Klettersteig zum Pockkogel (2.807 m ). Wer einen Dreitausender bezwingen will, aber nicht zu den Klettergämsen gehört, kann den Sulzkogel (3.016 m) in Angriff nehmen. Er ist bei guten Verhältnissen mit etwas Kondition leicht zu besteigen.

„Kuhle“ Hütten
Einkehrmöglichkeiten gibt es auf allen Routen. 21 Berghütten befinden sich im Bereich von Kühtai, die mit unterschiedlichen Gehzeiten zu erreichen sind. Auf die Guben-Schweinfurter-Hütte (2.034 m) sind es vier Stunden Gehzeit, auf die Neue Bielefelder Hütte (2.150 m) dauert der Aufstieg genau so lang. Die Drei-Seen-Hütte auf 2.310 Metern liegt näher – nur eineinhalb Stunden Gehzeit von Kühtai entfernt. Dort werden die Gäste mit Klassikern der österreichischen Küche verwöhnt, die man am besten auf der Sonnenterrasse mit Blick auf das unvergessliche Alpenpanorama genießt. Im Kühtai wirkt die gute Höhenluft auch am Fuße der Berge. Man ist ja schon so weit droben, deshalb muss man gar nicht unbedingt höher hinauf. Man kann auch am hochgelegenen Talboden über schön verlaufende Wanderwege spazieren. Dabei könnte man zum Beispiel in der Dortmunder Hütte (1.950 m) am Rande von Kühtai einkehren, die sich durch gemütliche Gastlichkeit auszeichnet. Auch die Zirmbachalm – der Einstieg zum Oberhofer Höhenweg – ist ein beliebtes Ausflugsziel. Sie befindet sich ein wenig außerhalb von Kühtai in Richtung Sellraintal und ist keine Alm wie jede andere. Direkt an der Landstraße gelegen, ist sie vor allem ein Treffpunkt für Motorradfahrer. Und für Kühe! Mit bis zu 400 Stück Vieh ist das weitläufige Almgebiet zeitweise bestoßen. Kühe und Biker kommen zum Glück gut miteinander aus. „Diese Rindviecher haben Geschmack“, sagte einmal einer, an dessen Harley Davidson eine Kuh knabberte. In der Zirmbachalm kommen traditionelle Tiroler Gerichte, insbesondere Wildspezialitäten, auf den Tisch. Dazu gehört auch ein guter „Zirmschnaps“, von dem Motorradfahrer auf Zwischenstopp allerdings Abstand nehmen sollten. Die Bergsteiger, die keine Klettertouren mehr vor sich haben, prosten sich gerne bei einem Stamperl zu und stoßen auf einen schönen Wandertag an. So wie wir jetzt. Prost!

 

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