Der längste Sommer Tirols.
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Symbol mit Signalwirkung

Symbol mit Signalwirkung

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Symbol mit Signalwirkung

Einem Leuchtturm im Felsenmeer gleich zieht es Wandersleute magisch an: das Gipfelkreuz! sonnenzeit ist der Frage nachgestiegen, warum gerade dieses religiöse Zeichen am Zenit der Berge thront und welche Markierungen in der Region den Blick auf sich lenken.

Dass der Weg das Ziel sei, heißt es gerne beim Wandern. Doch während man so durch Wald und Latschenfelder, über Almwiesen und Schotterhänge schreitet, klettern die Gedanken immer wieder voraus in luftige Höhen, von wo ein Gipfelkreuz die Vollendung des Tagwerks verheißt. Ein richtiger Gipfelsieg inklusive Beweisfoto und Gipfelbucheintrag macht sich eben besonders gut auf der persönlichen „have-done-list“. Vielen Bergsteigern jedoch geht es weniger darum, den Gipfel zu „besiegen“ (oder gar den inneren Schweinehund). Sie kennen schlicht das erhabene Gefühl, wenn man am Fuße des Kreuzes hockend sein Jausenbrot auspackt, den Jochdohlen beim Kunstflug (und beim Schielen nach ein paar Brocken des Jausenbrotes) zusieht und das Paradies ohne jeden Zweifel genau hier, zwischen Talboden und Himmel, verorten würde. Rührt es also daher, dass ausgerechnet ein überdimensionales Kruzifix das Zeichen gibt, ganz oben angekommen zu sein? Historiker und Volkskundler würden es nüchterner formulieren: Die Ursprünge liegen im Zusammenwirken mehrerer Bräuche...

Quer durch die Geschichte
Bereits die alten Römer brachten den Passheiligen dort Opfer, wo sie ihnen am nächsten waren. Ab Ende des 13. Jahrhunderts wurden dann vereinzelt große Kreuze auf Pässen und Anhöhen errichtet, wo sie vor allem Alm- und Gemeindegrenzen markieren sollten. Noch heute stößt man in Tirol mitunter auf solche Grenzmarkierungen aus dem 16. Jahrhundert! Ab dem 15. Jhdt. hinterließen Bergsteiger-Pioniere vereinzelt Kreuze auf den erklommenen Gipfeln, um der Nachwelt ihre Meis­terleistung deutlich zu machen. Während des Dreißigjährigen Krieges gewann die religiöse Symbolik der Gipfelkreuze dann an Bedeutung, gerne fertigte man in jener Zeit auch sogenannte Wetterkreuze mit zwei Querbalken an, die laut heidnisch geprägtem Volksglauben Sturm und Hagel bannen sollten. Als erstes „richtiges“ Gipfelkreuz wird jenes auf dem Kleinglockner im Jahre 1799 in den Geschichtsbüchern vermerkt – dem Zeitgeist der Aufklärung verpflichtet, war es mit Blitzableitern und wissenschaftlichen Messinstrumenten versehen. Durch den einsetzenden Tourismus in den Alpen brach Anfang des 20. Jahrhunderts ein wahrer Gipfelkreuzboom aus und besonders nach den beiden Weltkriegen wurden viele Kreuze im Gedenken an gefallene und vermisste Soldaten errichtet. Obwohl also der Glaube durchaus eine Rolle spielt und Gipfelkreuze überwiegend in katholisch geprägten Regionen der Alpen zu finden sind, gibt es mitunter auch ganz profane Gründe für das Aufstellen dieses bekannten Symbols, wie etwa strategisches Marketing durch Touristiker.

Mit Mühe auf die Munde
Ob aus Holz oder Metall, groß oder klein, schlicht oder aufwändig gestaltet: Ein Gipfelkreuz möchte bewundert werden! Meist ist es schon vom Tal aus sichtbar und regt die Fantasie an, wie es sich wohl anfühlt, da oben über den Dingen zu sitzen. Blickt man etwa von Telfs aus Richtung Süden, fällt gleich das imposante Kreuz am Sonnkarköpfl ins Auge. Mit seinen rund 10 Metern Höhe täuscht es so manchem Wanderer vor, bereits in greifbarer Nähe zu liegen... Und schaut man dann in Richtung Norden, leuchten vom Hausberg Hohe Munde gleich zwei Kreuze herunter: eines vom Ostgipfel und eines vom Westgipfel. Die beiden Telfer Hansjörg Hofer und Hubert Agerer haben für das Buch „2662 Hohe Munde“ auch die Geschichte(n) ihrer Gipfelkreuze recherchiert, beginnend mit der Errichtung einer eisernen Fahne auf der Spitze im Jahr 1898 zur Erinnerung an die 50-jährige Regierung des Kaisers. „Die Aufstellung derselben war keine leichte Sache. 19 Männer aus Telfs brachen [...] nach Buchen auf, übernachteten dort und schleppten tags darauf die Bestandteile des seltsamen Banners und alle zu einer Errichtung nöthigen Werkzeuge, also Steinbohrer, Schlägl, Blei, Cement, Kohlen und Schmelzofen auf die ­höchste Spitze der hohen Munde...“, vermeldeten die „Innsbrucker Nachrichten“ vom 25. August 1898.

Alte und neue Ziele
Auch das Gipfelkreuz von 1947, das von Telfer Kriegsteilnehmern aus Dankbarkeit für ihre Heimkehr errichtet wurde, musste mühsam mittels Saumpferden zum Jöchl oberhalb der Rauthhütte und auf den Schultern zum Gipfel befördert werden. Dort wurde das sieben Meter hohe Kreuz aus Lärchenholz wieder zusammengebaut, feierlich eingeweiht und trotzte 32 Jahre lang Wind und Wetter. 1979 wurde dann auf Bitte des Alpenvereins vom in Telfs ansässigen Unternehmen Thöni ein neues, in Alu verkleidetes Metallkreuz hergestellt, mit dem Hubschrauber auf den Gipfel geflogen und dort fixiert. Auf Wunsch der Kriegsheimkehrer wurde es noch mit einer Gedenktafel versehen und ein Teil des alten Holzkreuzes dient noch heute am Westgipfel als Sitzgelegenheit oder Messaltar. Wer hingegen nach langem Anstieg endlich den Ostgipfel erreicht, stößt dort nicht nur auf die kürzlich fertiggestellte imposante Lawinenverbauung, sondern auch auf ein mächtiges Gipfelkreuz aus Alu, das 1971 von der Bergwacht errichtet worden ist. Zeit zum Rasten! Und lässt man nun den Blick über die technische Meisterleistung der Schutzzäune, das Miniatur-Telfs unten im Tal und wieder hinauf zum gegenüberliegenden Sonnkarköpfl schweifen, versteht man dort oben plötzlich das Kreuz des modernen Menschen: die Sehnsucht nach Freiheit und Schutz, Natur und Glauben, Stillstand und Fortschritt unter einen Hut zu bringen, gelingt jedenfalls kaum wo besser als am Fuße eines Gipfelkreuzes...

Buch »2662 Hohe Munde«
Bild/Textband
Format 23 x 29,5 cm
Hardcover-Umschlag
272 Seiten
Preis Euro 39,–
Gestaltung: thoenidesign.at
Herausgeber: telfer kultur- und bildungsforum
Schriftleitung: Hansjörg Hofer und Hubert Agerer

Kontakt:
Am Wasserwaal 95, 6410 Telfs
Tel. +43 (0)676 83038300
hansjoerg.hofer@telfer.at

Unterstützt durch die Marktgemeine Telfs

 

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