Der längste Sommer Tirols.
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Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Fåsnåcht, bleib då!

Alle fünf Jahre herrscht in Telfs Ausnahmezustand. Worauf sich die Bevölkerung dermaßen freut, kann am 1. Februar 2015 wieder live erlebt werden: Das große Telfer Schleicherlaufen geht über die Bühne! In anderen Worten: lebendiges Brauchtum, mythisches Spektakel, Kitt für die Dorfgemeinschaft und immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Schon lange vor dem Tag X steigt die Stimmung unter den Fasnachtsgruppen, eifrig beschäftigt mit den Vorbereitungen und unverkennbar gepackt von einem besonderen Fieber. Dass dieses „Rindrig“-Sein höchst ansteckend wirkt, wissen nicht nur die rund 500 aktiven Teilnehmer (übrigens ausschließlich Männer), sondern auch zahlreiche Helferlein im Hintergrund. In mühevoller, monatelanger Arbeit werden die Fasnachtswägen gebaut und dekoriert, Kostüme genäht und scharfzüngige Sprüche gesammelt. Denn das Schleicherlaufen ist längst ein überregionales Großereignis, das jedes Mal rund 15.000 Besucher nach Telfs lockt – und zugleich die einzigartige Möglichkeit bietet, der Obrigkeit ungestraft ins Gesicht schmettern zu dürfen, was auf der Volksseele brennt. Dabei machen die aufs Korn genommenen Lokal- und Landespolitiker auf der Ehrentribüne traditionell gute Miene zum nicht bös’ gemeinten Spiel.

Schleichende Begeisterung
Aber auch wer die ortsbezogenen Anspielungen nicht versteht, wird vom närrischen Treiben ruckzuck in den Bann gezogen. Schließlich ist der Umzug ein Spektakel für alle Sinne: Farbenprächtige Figuren machen den Spalier stehenden Zuschauern große Augen, Tschinellen, Trommelschläge, Juchzen und ohrenbetäubendes Böllerkrachen bilden die Geräuschkulisse, Rauchschwaden liegen in der Luft, ein Hauch von archaischer Verwegenheit, ein selten gewordenes Gefühl der Zugehörigkeit. Und damit das ganze Ereignis auch ja nicht ins Wasser fällt, wird schon frühmorgens um sieben die „Sunna“ durch den Ort getragen. Nach dem Zug der Wilden – furchteinflößende Gesellen mit Holzlarve, Baumbartkostüm und grimassierendem Panznaff (der Darsteller lässt sich traditionell viele Zähne ziehen, um die Zunge weit herausstrecken zu können) – und dem Bäreneinfangen beginnt um 11 Uhr endlich die ersehnte Aufführung: Die berittenen Herolde rufen auf den verschiedenen Spielplätzen im Ober- und Untermarkt vorweg die Fasnacht aus, gefolgt von einer Parade der einzelnen Gruppen. Typisch für Telfs sind neben den Bären, den Wilden und den Laningern vor allem die namensgebenden Schleicher. Diese prächtig gekleideten Gestalten mit filigranen Drahtmasken und fantasievollen Hüten bewegen sich schleichend fort, da­mit ihre „Schalla“ am Rücken nicht anschlägt. Erst beim Tanz im „Schleicherkroas“ ist es so weit: Leicht und federnd setzen die ca. 100 Schleicher einen Fuß vor den anderen und hüpfen – „Tschalung!“

Musterstück eines Volksbrauches
Viele Figuren und Szenen des Umzugs beschwören alte christliche und heidnische Mythen und signalisieren die enge Verbundenheit zwischen Lachen und Weinen, Winter und Frühling, letztlich auch zwischen Leben und Tod. Trotzdem scheiden sich die wissenschaftlichen Geister über die Ursprünge der Telfer Fasnacht. Die älteste Erwähnung stammt jedenfalls aus dem Jahr 1571 und ein Gerichtsprotokoll von 1612 gibt einen weiteren Hinweis, in dem es ungebührliches ­Benehmen und Raufhandel während der Fasnacht in Telfs kritisiert. Ausführlich beschrieben wurde das Schleicherlaufen dann 1830 in einem amtlichen Schriftverkehr, der die Existenz der Kerngruppen bestätigt. Bemerkenswert: Ausstattung und zeremonielles Auftreten der Schleicher erscheinen bis heute in den Grundzügen unverändert! Unter Bürgermeister Josef Pöschl (1846-1906) schließlich erhielt der Fasnachtszug jene Gestalt, die im Wesentlichen bis heute beibehalten wurde, obwohl nach wie vor Wandlungen stattfinden dürfen und auch neue Gruppen gebildet werden. Seit 1890 findet das Schleicherlaufen alle fünf Jahre statt (unterbrochen nur in den Kriegsjahren 1915, 1940 und 1945 sowie im Nachkriegsjahr 1920) und gilt heute als Musterbeispiel eines ungebrochenen und von der Bevölkerung intensiv gelebten Brauches. Und so wird bei der traditionellen Stefani-Sitzung im Vorfeld des Telfer Schleicherlaufens wohl noch sehr oft das dreifach dröhnende „Fåsnåcht, bleib då!“ zu hören sein...

Mythologie der Fasnacht
Die Tiroler Fasnachtsbräuche haben ihre Wurzeln möglicher Weise in vorchristlichen Ritualen. Darüber diskutiert jedoch die Volkskunde seit dem 19. Jahrhundert. Auch die mythisch anmutende Telfer Fasnacht enthält zahlreiche rituell und kultisch wirkende Elemente. Wirklich gesicherte Überlieferungen gibt es erst seit der frühen Neuzeit. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1571. Ein weiterer Hinweis auf das Bestehen einer Fasnacht in Telfs stammt aus einem Gerichtsprotokoll des Jahres 1612, in dem der Pfleger von Hörtenberg – der lokale Gerichtsherr – wegen ungebührlichen Benehmens und eines Raufhandels während der Fasnacht kritisiert wird. Weitere Belege, dass in Telfs eine Fasnacht gehalten wurde, finden sich in Gerichtsaufzeichnungen der Jahre 1621 und 1631. Für 1749 belegt ein im Telfer Pfarrarchiv erhaltener Ablassbrief bereits ein mehrtägiges Fasnachtstreiben. Aus dem Jahr 1830 stammt die erste ausführliche Beschreibung des Telfer Schleicherlaufens.

Schleicherlaufen 2015 die wichtigsten Termine

Dienstag, 6. Jänner 2015 (Drei-Königstag)
• Nazausgraben am Wasserbichl-Parkplatz, 19.00 Uhr

Freitag, 30. Jänner 2015
• Laden des Landeshauptmannes und der Innsbrucker Bürgermeisterin in Innsbruck
• Philatelietag zum Schleicherlaufen im Noaflhaus

Samstag, 31. Jänner 2015
• Auffahren der Wägen vom Untermarkt in den Obermarkt, ab 13.00 Uhr

Sonntag, 1. Februar 2015
SCHLEICHERLAUFEN 2015
• 07.00 Uhr: Sonnenanbetung bei den Aufführungsplätzen
• 08.45 Uhr: Figatter – Zug der Wilden vom Obermarkt in den Untermarkt
• 10.00 Uhr: Der Bär wird im Meaderloch eingefangen
• 10.30 Uhr: Die Wilden werden von der Musibanda zum Sammelplatz geleitet
• 11.00 Uhr: Aufführungsbeginn des Schleicherlaufens 2015 am 1. Spielplatz
• 14 Uhr: Ausstellung der Schleicherhüte im Rathaussaal und Verkauf der Fasnachtsmarke

Montag, 2. Februar 2015
• Abfahren der Wägen und Fasnachtstreiben im ganzen Ort, ab 13.00 Uhr

Samstag, 14. Februar 2015 (Faschings-Samstag)
• Totengedenken an die verstorbenen Fasnachter und
• Fasnachtsball, 18.00 Uhr

Dienstag, 17. Februar 2015 (Faschingsdienstag)
• Naz-Eingraben am Wasserbichl-Parkplatz, 19.00 Uhr

Weitere Termine & Informationen auf www.schleicherlaufen.at

Aufführung verpasst?
Wer seinen Urlaub in der Region Sonnenplateau Mieming & Tirol Mitte nicht in die Fasnachtszeit legen kann, muss trotzdem nicht auf dieses besondere Ereignis verzichten. Neben Originalkostümen und -gegenständen bietet das Fasnacht- und Heimatmuseum im Telfer „Noaflhaus“ auch einen intermedialen Zugang zum Thema mit diversen Filmausschnitten, Fototapeten etc.

Wo?
Untermarktstraße 20
6410 Telfs/Tirol
Öffnungszeiten:
ganzjährig MO-FR 10-12 Uhr,
im Juli und August zusätzlich 15-17 Uhr. Eintritt frei!
Voranmeldung zu Führungen unter: +43 5262 62709-20
noaflhaus@telfs.gv.at
www.telfs.com/noafl/home.html

Im „Noaflhaus“ befinden sich weiters eine Öffentliche Bücherei mit Spielothek sowie die Chronistenbibliothek Tirol-Mitte. Außerdem gewährt eine Dauerausstellung im Heimatmuseum Einblicke in die ältere und neuere Geschichte des Siedlungs- und Wirtschafts-raumes Telfs.

 

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