Der längste Sommer Tirols.
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Die Runde um die Munde

Die Runde um die Munde

Die Runde um die Munde

Die Runde um die Munde

Die Runde um die Munde

Seit vielen Jahren unternehmen zwei Freunde aus Telfs gemeinsame Reisen. Bisher hat es sie stets in die Ferne gezogen. Nun sind sie ihrer direkten Umgebung näher gekommen – auf einer Wanderung rund um und über den Telfer Hausberg Hohe Munde.

Der Standesbeamte Hansjörg Hofer und der Bank-Filialleiter Hubert Agerer aus Telfs wirken – trifft man sie in ihren Jobs – auf den ersten Blick nicht wie die großen ­Weltentdecker. Zwei Herren mittleren Alters, seriös in Erscheinung und Auftreten. Und doch zwickt die zwei Freunde alle paar Jahre die bubenhafte Neugier (wenn man das so sagen kann), das Abenteuer eben. In Russland, Neuseeland, Kuba und in den USA haben sie Land und Leute kennen gelernt und – dokumentiert. Denn Hansjörg Hofer ist leidenschaftlicher Fotograf und zusammen mit seinem Reisepartner hat er die bildlichen Eindrücke nach jeder Reise zu einer großen Diaschau zusammengestellt. So auch das jüngste Projekt, die Umrundung der Munde.

„Für sonnenzeit schildern die beiden, wie es dazu kam und wie es war… Unsere nähere Heimat – insbesondere die Hohe Munde – beschäftigt uns seit Geburt – schließlich sind wir hier aufgewachsen. So entstand schon vor einigen Jahren die Idee zu einem „Munde-Buch“. Aufgrund der immer intensiveren Vorbereitungen dazu beschließen wir, unsere traditionelle gemeinsame Reise diesmal zu Fuß und zwar rund um die Munde zu bestreiten. Dies mag für manche sehr simpel klingen. Wir finden jedoch, der markante Kalkkoloss wird dadurch besondere Aufmerksamkeit bekommen.
Die gesamte Wegstrecke wird von der Haustüre weg und wieder zurück ohne jegliche Motorisierung ausschließlich im Fußmarsch zurückgelegt. Es soll ein mehrtägiger Marsch werden. Geplant sind Übernachtungen auf Almhütten entlang unserer Wegstrecke, denn für Zelt, Schlafsack und Isomatte findet sich schon kein Platz mehr in unseren ­Rucksäcken. Außerdem haben wir mit ca. 13 kg Gepäck genug zu schleppen, wie wir finden.

1. Etappe: Pfaffenhofer Alm?!
An einem schönen Spätsommertag Anfang September in aller Herrgottsfrüh starten wir unsere erste Fußetappe in Telfs mit dem Tagesziel Pfaffenhofer Alm. Aber was machen wir denn um Himmels Willen auf der gegenüberliegenden Seite der Munde, „enterm Wasser“ (über dem Inn), wie man in Telfs zu sagen pflegt. Der Grund ist simpel: Von dort haben wir den nötigen Abstand für den fotografischen Blick auf die gesamte Gegend, welche die Munde säumt. Am frühen Nachmittag kommen wir an und genießen das traumhafte Wetter ebenso wie den Ausblick sowie Speis und Trank auf der Alm. Am Abend erledigen wir die Tagebucheintragungen und holen uns die notwendigen Daten für unser GPS-Gerät für den nächsten Tag.

2. Etappe: Peter-Anich-Hütte
Nach der ersten komfortablen Hüttenübernachtung wandern wir am Sonntag auf das „Sonnkar-Köpfl“ oberhalb des Almbodens. Der Wettergott meint es gut mit uns und wir nutzen das herrliche Wetter, um tolle Bilder von Telfs und der Hohen Munde zu schießen. Unser Gepäck holen wir vor unserem nächsten Etappenziel aus unserem ersten Nachtquartier ab, verabschieden uns von den Wirtsleuten Erika und Roman Erlacher und marschieren Richtung Peter-Anich-Hütte. Der Steig dorthin ist seit mehreren Jahren wegen eines Felssturzes aus Sicherheitsgründen gesperrt, daher ist dieser nur auf eigene Gefahr nutzbar. Jedoch erreichen wir am späten Nachmittag ohne große Probleme die Peter-Anich-Hütte, wo wir von den Wirtsleuten Burgi und Alois Krug begrüßt werden. (Anmerkung: Rechtzeitig zur Wandersaison 2014 wird der neue „Umgehungssteig“ fertig gestellt. Bitte der Beschilderung folgen und diesen benützen!) Für den nächsten Tag ist die längste Wegstrecke vorgesehen, daher er­holen wir uns bei Sonnenschein auf der Terrasse. Gemeinsam mit einem älteren bergbegeisterten Ehepaar aus Niederösterreich belegen wir das Massenlager.

3. Etappe: Neue Alplhütte
Nach einem ausgiebigen Frühstück schultern wir unsere Rucksäcke und suchen die kürzes­te Wegstrecke Richtung Rietz. Trotzdem zieht es sich, wir lassen uns davon aber nicht beirren. Der weitere Marsch führt uns zum Stamser Ortsteil Thannrain am seitlichen Wirtschaftsweg entlang der Autobahn bis zur Hängebrücke bei Stams. Beim Stamser Wasserfall machen wir Mittagspause, ehe wir auf das Mieminger Plateau und weiter über den Ochsenbründlsteig Richtung Neue Alplhütte aufsteigen. Beim Überqueren des Alplbaches bestaunen wir die gigantischen Felsstürze vom Karkopf. Dabei stürzt leider auch Huberts kleine Digitalkamera in den Bach, eine daraus resultierende Fehlfunktion macht sie unbenützbar.
In der Neuen Alplhütte werden wir von der Wirtin Doris herzlich empfangen und stillen unseren Bären-Hunger mit einer stärkenden Knödelsuppe. Nach einer ausgiebigen Dusche können wir als einzige Übernachtungsgäste das bequeme Nachtlager aufsuchen. Es ist einfach herrlich, die von der langen Strecke doch extrem müden Füße ausrasten zu lassen.

4. Etappe: „Ochsenalm“
Am vierten Tag heißt unser Ziel Wang-Puit­alm, kurz Wangalm (landläufig bekannt als Ochsenalm) in der Leutasch. Über den Hintereggensteig erklimmen wir den auf etwa 2.000 m liegenden Sattel der Niederen Munde. Nach der Jause an einer windgeschützten Stelle geht’s runter ins Gaistal, vorbei an der Tillfußalm und der Gaistalalm zur Hämmermoosalm. Hier sind wir etwas verunsichert aufgrund der Meldung, die Wang­alm wäre wegen eines bevorstehenden Schlechtwettereinbruchs mit Schneefall nicht mehr bewirtschaftet.
Nachdem keine Möglichkeit besteht, die neuen Pächter zu erreichen, machen wir uns auf gut Glück über den „wurziger Steig“ auf den Weg. Der ungewohnte, aber imposante Anblick der Nordseite der Hohen Munde lässt uns den holprigen Anstieg vergessen und der Blick auf die Wettersteinhütte ist nicht mehr weit. Am späten Nachmittag erreichen wir recht müde und erschöpft die Wangalm und freuen uns besonders, dass die Wirtsfamilie Leitner uns freundlich als Gäste aufnimmt.

5. Etappe: Zurück nach Hause…
Der angekündigte Wetterumschwung tritt am nächsten Morgen mit teilweise ergiebigen Regenfällen tatsächlich ein. So müssen wir unseren Plan kurzfristig ändern und gehen direkt über die Buchener Höhe und das Kochental nach Hause. Erst im Gasthaus „Ropferstub’m“ in Buchen können wir unsere Regenumhänge abnehmen, um uns in der warmen Stube mit einem heißen Tee aufzuwärmen. Nach der kurzen Erholungsphase geht es von Buchen über das Kochental vorbei an der Birkenberg-Kirche nach Hause. Die geplante Mundeüberquerung müssen wir auf einen späteren Zeitpunkt mit entsprechenden Witterungsverhältnissen verschieben. Insgesamt haben wir in den fünf Tagen ca. 10.000 Höhenmeter und eine Gesamtstrecke von 80 Kilometern zurückgelegt!

6. Etappe: Endlich der Gipfelsturm
Erst Mitte Oktober können wir unser Projekt erneut in Angriff nehmen: die Überschreitung der Munde-Gipfel. Bei nicht gerade optimalem Wetter starten wir um etwa 7 Uhr morgens von Straßberg in Richtung Niedere Munde. Der Vormittag ist bedeckt und Nebelschwaden ziehen an den Wänden der Hohen Munde empor. Wie schon bei der Mundeumrundung nutzen wir auch hier nochmals die windgeschützte Stelle auf der Niederen Munde, um eine erste Rast einzulegen und zu jausnen. Die langsam durchscheinende Sonne lässt uns auf einen schönen Ausblick auf dem Gipfel hoffen. Vor dem Einstieg in das „Rauche (Rauhe) Tal“ verstauen wir unsere Tourenstöcke im Rucksack, um die Hände für die Seilsicherung frei zu haben. Dies zeigt sich bald auch als besonders notwendig, denn an einer Stelle hatte ein Felssturz das Sicherungsseil durchtrennt und es sind besondere Vorsicht und Konzentration gefordert. Sicher erreichen wir den Gipfel auf 2.662 Metern kurz nach 12 Uhr mittags und werden mit einem wunderbaren Ausblick belohnt. Bei einer ausgiebigen Mittagsjause genießen wir das Panorama. Nach der Eintragung ins Gipfelbuch machen wir uns auf den Weg Richtung Buchen. Am Mundekopf kommen wir an den Lager- und Wohncontainern der Arbeiter für die Lawinenverbauung vorbei. Von hier wurde der Weg zur Rauthhütte sicherheitshalber etwas verlegt, da die Arbeiten an der Lawinenverbauung zu Steinschlägen führen könnten.
Kurz vor der Rauthhütte knickt einer von Hansjörgs Trekkingstöcken ein und war somit nicht mehr nutzbar. Aber die Stöcke hatten ihren Dienst in der achtstündigen Munde-Überquerung getan und waren nicht mehr zwingend notwendig. In einem ersten Rückblick in der Rauthhütte stellen wir nochmals fest, dass dieser Schaden leicht verschmerzbar ist, wenn man bedenkt, dass unsere gesamte Tour ohne wesentliche Verletzungen oder größere Schäden absolviert werden konnte. “

 

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