Der längste Sommer Tirols.
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Auf Reisen Gottes Schöpfung erleben

Auf Reisen Gottes Schöpfung erleben

Auf Reisen Gottes Schöpfung erleben

Auf Reisen Gottes Schöpfung erleben

Dr. Peter Scheiring ist seit 2008 Dekan des Dekanates Telfs und sorgt in dieser Funktion für gut 30.000 Seelen. Mit sonnenzeit spricht er über das Heilige Land Tirol, über Gäste und Einheimische, über Kraftplätze und Wünsche.

sonnenzeit: Tirol wird – historisch gewachsen – als „Heiliges Land Tirol“ bezeichnet. Ist es das wirklich?
Peter Scheiring: Mit dem Brauchtum, der bodenständigen Tradition und der besonderen Verehrung des Heiligen Herzens Jesu wurde Tirol dieses Attribut „heiliges Land“ zuerkannt.

sonnenzeit: Ist so eine Bezeichnung in der heutigen Zeit überhaupt noch angebracht?
Peter Scheiring: Stimmt, es mag den Anschein haben, dass diese Bezeichnung eine überholte Geschichte ist. Trotz allem erleben wir aber immer noch tiefgläubige Menschen, die voll auf Gott vertrauen und den Weg mit der Kirche gehen. Wir sind dankbar für diese Menschen, denn sie gestalten auch weiterhin die Kirche vor Ort.

sonnenzeit: Was ist Ihnen als Geistlicher heilig?
Peter Scheiring: Dass die Sakramente würdig gespendet werden können, dass Menschen die neuen Wege der Kirche sehen lernen und dass das Jammern nicht zur Grundeigenschaft eines Christen gehören darf.

sonnenzeit: Und wo finden Sie Gott? Auf den Bergen? In seiner freien Natur?
Peter Scheiring: Ein besonderer Ort ist die Heilig-Geist-Kirche in Telfs. Nach ein paar Schritten auf dem Besinnungsweg von ­Lo­ch­erboden ist der Blick bei der Kirche über Telfs und Umgebung atemberaubend. Übrigens ein guter Tipp für Gäste unserer schönen Region! Die Kirche selbst erlebe ich als Kraftplatz zum Stillwerden und zum Besinnen.

sonnenzeit: Apropos Gäste, haben Sie manchmal auch Kontakt mit Touristen und Gästen? Besuchen sie die Kirchen, zeigen sie Interesse?
Peter Scheiring: Ja, ich werde von Gästen angesprochen, die sich zum Beispiel auf dem Jakobsweg befinden. Sie wünschen auch gern einmal einen Stempel für ihr Pilgerbuch. Oder sie informieren sich über Kirchenführer der Umgebung. In diesem Zusammenhang darf ich gleich auf den nagelneuen Kirchenführer „Pfarren von Telfs – Kirchen, Kapellen und Bildstöcke“ hinweisen!

sonnenzeit: Wenn Sie einem Gast Land und Leute unserer Region kurz charakterisieren müssten, was fiele Ihnen ein?
Peter Scheiring: Wir leben in einem wunderbaren Land mit einer einzigartigen Natur. Die Menschen fühlen sich hier wohl und genießen die besondere Schönheit des Landes. Vor vielen Problemen in der Welt, wie Wasserknappheit, Naturkatastrophen und Umweltschmutz sind wir zum Glück bewahrt worden. Deshalb sollten wir alle dankbarer mit den Ressourcen umgehen und zufriedener in die Zukunft blicken.

sonnenzeit: Wir haben in unserer Ferienregion einen besonderen Reichtum an Sakralbauten. Eines der bedeutendsten Stifte Österreichs steht in Stams. Erhalt und Pflege dieser Kulturgüter nehmen viel Zeit und Geld in Anspruch…
Peter Scheiring: Ja, die Sorge um die Baudenkmäler in unserem Land bestimmt uns alle gleich. Renovierungen sind sehr kostspielig und verschlingen auch viel Zeit. Und trotzdem erfreuen wir uns alle an revitalisierten Orten und Gebäuden, insbesondere auch Gäste. Denn sakrale Bauten sind ein Stück Tirol, das will man sehen, das will man erleben.

sonnenzeit: Spüren Sie bei Ihrer täglichen Arbeit Unterschiede in Sachen Kirchenbesuchskultur oder Gläubigkeit zwischen dem – sagen wir – urbaneren Telfs und den umliegenden Gemeinden?
Peter Scheiring: Ja, es gibt sicher Unterschiede. Telfs ist schon so urban, dass wir erkennen müssen, nicht mehr flächendeckend unterwegs zu sein. Wir leben eine Seelsorge, die exemplarischen Charakter hat, das bedeutet, wir können nicht mehr alle erreichen.

sonnenzeit: Ist die Pflege von kirchlichem Brauchtum – Stichwort religiöse Feiertage, Prozessionen, etc. – da nicht umso wichtiger? Sind diese Traditionen ein Gegenpol zu Schnelllebigkeit und Werteverlust?
Peter Scheiring: Ich freue mich sehr über das kirchliche Brauchtum bei uns in der Region. Jede einzelne Prozession hat ihren eigenen Charakter, der das Miteinander stärkt und auch vertieft. Es soll dies auch weiterhin erhalten bleiben.

sonnenzeit: Sie sind keiner, der abgehoben oder weltfremd wirkt, sondern eher für eine lockere Gestaltung religiöser Zeremonien bekannt. Vor allem, wenn Kinder beteiligt sind. Liegt eine Chance der Katholischen Kirche auch darin, die Liturgie heutigen Verhältnissen anzupassen?
Peter Scheiring: Ich versuche bei Gottes­diens­ten mit Kindern besonders auf diese einzugehen. Die Predigten sollen dabei für kleine als auch große „Kinder“ eine Ermutigung sein. Diesem Anspruch gerecht zu werden, gelingt mir aber nicht immer. Ich zerbreche mir oft stundenlang den Kopf, wie man es besser erzählen könnte.

sonnenzeit: Wie beurteilen Sie das bisherige Pontifikat von Papst Franziskus?
Peter Scheiring: Papst Franziskus bringt neuen Wind in die Kirche. Seine bescheidene Art und seine Barmherzigkeit tun uns allen wohl.

sonnenzeit: Was wünschen Sie sich für Ihre tägliche Arbeit?
Peter Scheiring: Eigentlich wünsche ich mir, dass die Kirche wahrgenommen wird als Ort, wo man sich wohlfühlen darf. Es soll eine Institution sein, in der sich Jung und Alt begegnen können, wo sich niemand ausgeschlossen fühlt. Dann würde ich dankbar sein, wenn man erkennt, wie viele Menschen sich darin engagieren und alles zum Wohle aller machen. Für mich kommt die Dankbarkeit diesen tollen Menschen gegenüber noch viel zu kurz. Dankbarkeit und Freude sollen zu den Grundeigenschaften von uns allen zählen. Ich bin sehr dankbar für meine Aufgabe, denn kein Tag gleicht dem anderen. Jeder Tag ist eine Herausforderung.

sonnenzeit: Wann geht Ihnen – wie man so schön sagt – das Herz auf?
Peter Scheiring: Wenn ich auf Reisen Gottes wunderbare Schöpfung erleben darf.

sonnenzeit: Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.

 

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