Der längste Sommer Tirols.
obsteig | mieming | wildermieming | telfs | silz | mötz | stams | rietz | pfaffenhofen | oberhofen | flaurling | pettnau | polling | hatting | inzing

Tour der Genussvielfalt

Tour der Genussvielfalt

Tour der Genussvielfalt

Tour der Genussvielfalt

Tour der Genussvielfalt

Tour der Genussvielfalt

Tour der Genussvielfalt

Auf dem neuen Genuss.Radweg zwischen Inzing und Silz geht’s nicht um sportlich zurückgelegte Kilometer, sondern um heimische Produkte. sonnenzeit hat sich in den Sattel geschwungen und per pedales erfahren, wie gut Radfahren in der Region schmecken kann …

40Kilometer Radwege und 26 mögliche Stationen in 12 Ferienorten – das Vorhaben ist ambitioniert! Die Strecke müsste an diesem gemäßigt heißen Sommersonnentag zu schaffen sein, aber alle Stationen? Niemals. Wir suchen uns sechs Zukehrmöglichkeiten aus und machen uns in Silz auf den Genuss.Radweg.
Wir, das sind das junge Pärchen Anna und Andi sowie der sonnenzeit-Redakteur & -Fotograf in Personalunion. Im Laufe der Radtour wird sich herausstellen, dass wir gut daran getan haben, nicht jede Station anzufahren. Erstens ist das Angebot so vielfältig, dass wir nicht weit gekommen wären. Zweitens hätten wir spätestens bei der Hälfte so viel Gutes und Echtes gekostet gehabt, dass der Bauch voll und wir vermutlich leicht beschwipst gewesen wären.

1. Station: Bienen(stich)
Der Auftakt ist süß: Heinrich Gritsch betreibt seit mehr als 30 Jahren Bienenzucht in Silz und wurde vielfach für die Top-Qualität seiner Honigsorten ausgezeichnet. Der Imker heißt uns willkommen und verweist uns gleich auf seinen informativen Bienenlehrpfad und Bienenschaustock. Wir lesen brav alles Wissenswerte über die fleißigen Honigproduzentinnen und wollen ihnen am Schaustock live bei der Arbeit zusehen. Das geht auch so lange gut, bis eine spürbar grantige Arbeiterin ihr Herrchen piekst. „Ist nicht die optimale Zeit grade, wir stören“, erklärt er gelassen. Einem Imker seines Kalibers tut ein Bienenstich längst nichts mehr.
Vor allem, wenn er sich daraufhin mit einem leckeren Honigbrot trösten kann. Wir tun es ihm gleich und laden – begeistert vom vollen Geschmack – gleich ein paar Gläser feinsten Gebirgs- und Alpenrosenhonig in die Rucksäcke. Bei der Imkerei Gritsch gibt es keine Massentrachten und geschleudert wird meist nur einmal im Jahr. Deshalb sind im Honig die Inhalts- und Geschmacksstoffe von den Frühjahrsblumen, dem Obst, den Wiesenblumen, den Beeren im Wald, dem Honigtau und den Blumen des Hochgebirges enthalten. Danke und „Pfiati“ Heinrich, weiter geht’s nach Stams…

2. Station: Kultur & Klosterkulinarik
Schon von weitem leuchten uns die Türme des Stiftes Stams entgegen, ein Wahrzeichen der gesamten Region und eine der meistbesuchten touristischen Attraktionen Tirols. Das im Jahre 1284 geweihte Zisterzienserkloster mit seinen prunkvollen Sälen, der barocken Basilika, der Orangerie und dem Stiftsgarten ist ein Sehnsuchtsort für kulturinteressierte Menschen aus aller Welt.
Auch für uns, wenngleich unsere Beweggründe, das Stift Stams anzufahren, profanerer Natur sind: Wir wollen in den Klosterladen, um dort hauseigene Produkte zu verkos­ten und einzukaufen. Mit unseren Rad-Dressen würden wir uns auch nicht so gut machen in den altehrwürdigen geweihten Gemäuern. Schon der Laden atmet Geschichte: Er ist in der 2009 generalsanierten Orangerie untergebracht, alte Mauern, Gewölbe und behutsame neue Architektur bilden einen harmonischen Rahmen für eine beachtenswerte Produktvielfalt.
Hauptverantwortlich dafür zeichnet Bruder Franz, der seit Jahrzehnten umtriebig die so gar nicht verbotenen Früchte und Kräuter der klösterlichen Obstgärten zu feinsten Bränden und Likören, Säften und Marmeladen sowie Ölen und Essenzen verarbeitet. Und ein hervorragender Bäcker ist er außerdem, weshalb heute frische Brotsorten aus seinem Steinofen angeboten werden. Eine besser wie die andere, die Wahl wird zur Qual. Egal, wir nehmen ein paar verschiedene mit, dazu Marmelade.
Jetzt haben wir zwar Brot und viel Süßes, aber nix Deftiges zum Drauftun. Also weiter. Anna möchte nur noch schnell am Stiftsweiher die Forellen anschauen. Es sind unzählige, die sich hier tummeln, ist der Weiher doch ein landesweit bekanntes Anglerzentrum mit dazugehöriger Fischerstube. „Mädel, jetzt aber, wir haben langsam Hunger!“

3. Station: „Beeriges“ Intermezzo
Auf unserer Sammlung fürs Mittagspicknick darf ein Stopp in Rietz nicht fehlen: Mair’s Beerengarten wird uns nämlich die Nachspeise bescheren. Erdbeeren, Himbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Bergkiwi, Holunder, Heidel­beeren, Kirschen, Vogelbeeren, Quitten, Zwetschken und Marillen werden hier zu ca. 100 verschiedenen Produkten weiterverarbeitet und im eigenen Hofladen verkauft. Genau dort empfängt uns Martina Mair und reicht uns zur Begrüßung frische Erdbeeren. OK, wieder was Süßes, aber absolut unwider­stehlich! Früchtetees, Sirupe, Säfte, Marmeladen, Beerenessig, Schaum­wein, Liköre und Schnäpse – die Auswahl ist riesig. In unseren Rucksack wandern vor allem frisch geerntete Früchte, die wir später am freien Feld genießen werden.
„Darf’s noch eine Kostprobe von einem unserer Brände sein?“, fragt uns die Hausherrin. Ja, aber sicher! Es erfreuen zuerst der Vogelbeerbrand, dann der „Goldene Apfel“ Nase und Gaumen, der Magen wird angenehm warm und die Beine werden etwas schwerer. Danke, auch einpacken. Mit unserer flüssigen „Nachspeise“ im Rucksack radeln wir nach Oberhofen weiter.

4. Station: Fleischeslust
Dass Barbara und Norbert Waldhart vom „Sevelerhof“ am Ortsrand von Oberhofen Metzger (Fleischer) aus Leidenschaft sind, merkt man bald, nachdem man den kühlen Hofladen am Ortsrand von Oberhofen betreten hat.
Es ist das Paradies für Fleischtiger: Speck, Kaminwurzen, Schüblinge, Jausenwürste, Streichwurst, Haussulze, Grammelschmalz, Verhackertes, Kümmelbraten und Co. aus eigener Landwirtschaft erfreuen das Auge, während der Bauch ruft: „Will haben!!“
Wir investieren großzügig gegen den Hunger, schließlich brauchen wir Kraft für die zweite Hälfte des Tages. Für abends vielleicht noch ein paar Käse- und Spinatknödel? OK!
Das Frischfleisch müssen wir zurücklassen, die Unterbrechung der Kühlkette wäre fatal. Mit einem kräftigen „Mahlzeit“ verabschieden uns die beiden Waldharts von ihrem Hof, wir winken zurück und lassen uns am Innradweg auf einer Bank mit freiem Blick auf Wiesen und Felder zum Jausnen nieder. Herrlich! So schmeckt Regionalität. So fühlt sich Nachhaltigkeit im Denken und Handeln an. Wir wissen, woher unser Essen & Trinken kommt. Es ist ein gutes Gefühl, das uns sättigt.

5. Station: Kronprinz Rudolf
Obstbäume und Salatfelder sind bei der Weiterfahrt unsere Kulisse, gute Beschilderung und Bodenmarkierungen leiten uns den Weg. „Brettleben“geht es dahin entlang des Inns. So begegnen uns auch zahlreiche Familien, die auf ihrer Genusstour in die Gegenrichtung unterwegs sind. Einige Empfehlungen könnten wir zwar bereits abgeben, aber – wie weißt das Motto des Genuss.Radweges so schön: „Radeln, Entdecken und Genießen“.
Unser finales Ziel ist die Brennerei Draxl im Inzinger Ortsteil Weidach. Lambert Draxl ist neben weiteren Schnapsbrennern in der Region einer der ganz erfolgreichen seines Faches. Viele Preise und Prämierungen heimste er in den letzten Jahrzehnten ein, seine Brände rannen schon durch zahlreiche prominente Kehlen. Er selbst ist ein bescheidener, freundlicher Mann mit wachen Augen und Vorliebe für höchste Qualität geblieben.
Gerne erklärt uns der Brennmeister die Kunst des Schnapsbrennens, die er vor vielen Jahren als Hobby begonnen hatte und die „fast zur Arbeit geworden ist“, wie er scherzt. Der eigene Obstanbau und das Brennen fordern den Pensionisten jeden Tag, auch wenn er es jetzt ruhiger angeht. Er schenkt uns zum Abschluss unserer Tour der Genussvielfalt einen „Kronprinz Rudolf“ – den Brand aus dem gleichnamigen Sommerapfel – ein. „Den kriegt man nicht so oft“, prostet er uns zu. Übrigens: Bei den Draxls können kleine und größere Gruppen auf Voranmeldung auch ausgiebig jausnen, als Unterlage quasi für die Schnapsverkostung – ein Geheimtipp.
Als wir bald darauf sein Stüberl verlassen, ist das wohlige Bauchgefühl stärker als je zuvor, die Beine… naja. Es ist ziemlich Nachmittag geworden und schade, dass keine Zeit mehr ist für weitere Stationen.

6. Station: Echte Wirtsleut’
Oder doch: Wir erklimmen unsere Drahtesel, die uns, wären es e-Bikes, komfortabel und mit „Rückenwind“ wieder innaufwärts führen würden. Warum bloß haben wir uns die nicht ausgeliehen, wie es angeboten wird? So treten wir aus eigener Kraft einem der ausgezeichneten Wirtshäuser entlang des Genuss.Radweges entgegen. Dort wollen wir zu Abend essen, Knödel im Rucksack hin oder her. In welchem? Verraten wir nicht. Rauf aufs Rad und selbst die kulinarische Vielfalt der Region erradeln!

 

zurück...