Der längste Sommer Tirols.
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Bühne frei fürs Volkstheater

Bühne frei fürs Volkstheater

Bühne frei fürs Volkstheater

Bühne frei fürs Volkstheater

Bühne frei fürs Volkstheater

Tirol hat eine lange Tradition des Volksschauspiels. Ob damit nun Theater vom Volk, fürs Volk oder beides gemeint ist, wird zur Nebensache, wenn man sommerliche Theaterluft in Telfs schnuppert oder eine der engagierten Dorfbühnen der Region besucht. Denn hier wird klar: Volkstheater heißt Vielfalt, dient der Gemeinschaftsbildung und sorgt für beste Unterhaltung, ohne das Publikum zu unterschätzen.

Die Schauspieler sind wieder da! Wenn die bunte Volksschauspiel-Truppe im Juni mit den Proben in Telfs beginnt, wird neugierig beobachtet, wie die kreativen Köpfe immer wieder neue Spielorte zum Leben erwecken – eine Waldlichtung in Birkenberg, ein altes Haus im Ortszentrum, verlassene Glashäuser, die Feuerwehrübungshalle. Wo niemand Potenzial orten würde, zieht Bühnenbildner Charly Steck mit seinem Team in einigen Wochen harter Arbeit eine absolut stimmige, perfekt improvisierte Kulisse auf.
Die Volksschauspiele gehören seit nunmehr 30 Jahren fix zum Telfer Kultursommer. 1981 gegründet, fanden sie nach der ersten Saison in Hall und dem Skandal um Felix Mitterers „Stigma“ ihren Bestimmungsort in Telfs. Hier bieten sie seither kluge, vergnügliche und kritische Volkstheater-Unterhaltung auf hohem Niveau. Bekannte Namen wie Ruth Drexel, Hans Brenner, Felix Mitterer, Dietmar Schönherr, Kurt Weinzierl und Tobias Moretti prägten das Festival. „Die im ganzen deutschsprachigen Raum verstreuten Tiroler Schauspieler hatten damals Sehnsucht nach der Heimat und kamen gerne im Sommer zum Theaterspielen nach Hause. Und bis heute sind sie gerne bereit, auch für geringere Gagen als gewohnt in Telfs aufzutreten,“ erzählt VSS-Obmann Markus Völlenklee, selbst viele Jahre an deutschen Bühnen engagiert und wie viele andere Mitwirkende bereits seit den Anfängen in Telfs dabei.

Menschenstücke für Telfs
Das Programm der Telfer Volksschauspiele ist breit gefasst und wird Jahr für Jahr relativ kurzfristig entschieden. Neben alten Tiroler Dramatikern von Karl Schönherr bis Franz Kranewitter werden auch Klassiker von Shakespeare, Goldoni und Brecht, moderne Stücke von Felix Mitterer und Händl Klaus und so manche Uraufführung inszeniert; dazu kommt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Aber ist das nun „Volkstheater“? In Telfs hält man sich mit Definitionen zurück, liegt die Antwort doch ohnehin in der Praxis und ständigen Veränderung. Für den Autor Felix Mitterer, Vorstandsmitglied und regelmäßiger „Stückelieferant“ für die Volksschauspiele, bedeuten Etiketten sowieso nichts: „Ich schreibe Menschenstücke – und zwar nicht nur für eine intellektuelle Minderheit, sondern idealerweise solche, die Kopf, Herz und Bauch ansprechen, also den gesamten Menschen unabhängig von seiner Vorbildung.“ Dieser Ansatz gilt wohl auch für das gesamte Festival, einen programmatischen roten Faden sucht man hier vergebens. „Unser Spielplan gleicht eher einem Widerspruchssystem. Wir suchen jede Saison Stücke aus, die in Inhalt und Form möglichst unterschiedlich sind. Das spiegelt natürlich die verschiedenen künstlerischen Ansätze innerhalb unseres Vereins, die stilistische Breite kommt aber auch dem Publikum entgegen,“ erklärt Markus Völlenklee. Der riesige Erfolg im Sommer 2012 gibt diesem Konzept einmal mehr recht: 12.250 Besucher sorgten für eine Auslastung von 94 %!

Gemeinsam über den Tellerrand
Eine Vorreiterrolle für ganz Tirol nehmen die Telfer Volksschauspiele auch durch die innovative Mischung von Laienschauspielern und Bühnenprofis ein. Begegnungen, die im normalen Theaterbetrieb nicht zustande kommen, schaffen hier eine besondere Spielenergie. Denn wenn Amateure der lokalen Volksbühnen Seite an Seite mit Theater- und Filmprofis auftreten, schauen dabei alle über den sprichwörtlichen Tellerrand. Bewusst rückt dieses Volkstheater ganz nahe ans Publikum, möchte es unmittelbar in das Bühnengeschehen involvieren. „Lachen, Weinen, Wundern – all das funktioniert im Volksschauspiel auch ohne großen Bildungshintergrund und Kunstverständnis“, hebt der Tiroler Laienspielberater Dr. Ekkehard Schönwiese den Aspekt der Gemeinschaftsbildung hervor. Und so sind die TVSS nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region und ein kultureller Leuchtturm in ganz Tirol, sondern fördern auch spürbar das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Theater in den Dörfern
Aber nicht nur in Telfs hat man sich einem zeitgemäßen Verständnis von Volkstheater verschrieben. Auch die Theatergruppe Oberhofen hat sich mit ihrer frischen Mischung aus Laiendarstellern und Profi-Regisseuren überregional einen Namen gemacht. „Niveauvolles Theater auf die Bühne zu bringen, das Publikum anzuregen, aufzuregen, zu unterhalten oder zu provozieren, das ist unser Ziel“, erzählt Tamara Baumann, Obfrau der Theatergruppe, die gerade ihr 17-jähriges Bestehen feiert. Etwa 45 Mitglieder aus mehreren Orten in Tirol bringen im idyllischen Stadl im Reasnhof ihre Stücke zur Aufführung, zuletzt sorgte hier das witzig-schräge Alpen­rustical „Der Watzmann ruft“ für ausverkaufte Vorstellungen. Das Rezept „Abwechslung“ geht auch in Oberhofen auf: Ständig wechselnde Regisseure bieten eine große stilistische Vielfalt, auch bei den Rollenbesetzungen und beim Spielplan wird auf Abwechslung geachtet. „Wir sind bekannt für Boulevard-, Kult-, Volks- und Kinderstücke sowie Krimis, verzichten allerdings bewusst auf Schwänke“, führt Tamara Baumann weiter aus. „Natürlich spielen wir für das Publikum und den Applaus, aber eigentlich spielen wir nur die Stücke, die uns Spaß machen. Bis jetzt hat es bestens funktioniert und unser Publikum hält uns die Treue!“ Das wird es wohl auch beim nächsten Projekt: Unter der Regie von Johannes F. Heiß werden im alten Gebälk des Reasnhofs die „VAMPIRE“ einziehen, Premiere ist im Juni 2013.

Junge Leute mit Spaß am Spiel
Äußerst engagiert zeigen sich auch „Die Plateauniker – Theatergruppe Mieminger Plateau“, die sich als eine der ersten Gruppen in Tirol vom herkömmlichen Bauerntheater verabschiedeten und einem moderneren Theater zuwandten. Auch hier spielt der Begriff „Volkstheater“ aber höchstens eine Nebenrolle, wie Obfrau Cilli Schaub ausführt: „Wir sind eine Laien-Theatergruppe, die sich alle Möglichkeiten bezüglich Stückauswahl und Inszenierungsformen offen lässt. Natürlich unterliegen wir ­ge­wissen Rahmenbedingungen, wie Bühne, Technik und Kosten, vor allem aber muss uns ein Stück gefallen und Spaß machen.“
Ein großer Schwerpunkt der Mieminger Plateauniker liegt auf der Nachwuchsarbeit, man fördert viele junge Theaterspieler zwischen 15 und 25 Jahren und gewinnt damit auch ein junges Publikum. „Wir möchten keine politischen Botschaften transportieren, sondern die Stücke möglichst glaubwürdig inszenieren. Das Publikum soll unterhalten werden und mit einem Lächeln nach Hause gehen.“ Obwohl es in ers­ter Linie Publikum aus der Region ist, freut man sich auch in Mieming immer, Besucher mit längeren Anfahrtswegen begrüßen zu dürfen.
Die jüngste Gelegenheit, die Plateauniker in Aktion zu sehen, hatte man im Herbst 2012: Unter der Regie von Cilli Schaub spielte ein eigens formiertes Ensemble den Bühnen-Klassiker „Das Gespenst von Canterville“ von Oskar Wilde, angepasst an örtliche Verhältnisse und begleitet von einer jungen Rockband! Und das nächste Theaterprojekt wird nicht lange auf sich warten lassen.
Wer Näheres zum Programm für 2013 wissen möchte, erfährt alle Termine auf www.plateauniker.at.
Keine Frage: Das Volkstheater – oder wie auch immer man es am Sonnenplateau Mieming & Tirol Mitte nennen will – rockt!

 

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