Der längste Sommer Tirols.
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Filmreife Stories aus Mieming

Filmreife Stories aus Mieming

Filmreife Stories aus Mieming

Filmreife Stories aus Mieming

Uli Brée ist einer der gefragtesten Drehbuchautoren im deutschsprachigen Raum und Motorrad-Freak von Europaruf. Job & Leidenschaft vereint er locker mit einer Doppelportion Energie, powered by: seiner Familie und seiner Wahlheimat Mieming. Mit ferienhoch.at sprach er über den Umgang mit Erfolg, gute Geschichten, Slotcar-Rennen und Mopeds in der Garage sowie die Sache mit dem Nein-Sagen…

ferienhoch.at: Tirol und die Deutschen, das ist nicht erst seit der Piefke-Saga immer so eine ganz eigene Geschichte. Du als Zuagroaster (Zugereister): Wie fühlst du dich in deiner Wahlheimat?
Uli Brée: Sehr wohl, meine Familie auch. Wir wohnen am Land im besten Sinne. Das Sozialgefüge ist gerade hier in Mieming super. Es gibt ja zahlreiche Zuagroaste am Plateau, die alle was gesehen haben von der Welt. Das macht alles ein Stück offener, freier im Denken. Ja, wir haben hier die Harmonie gefunden, die wir uns gewünscht haben.

ferienhoch.at: Wie wurdet ihr vor acht Jahren, als ihr herzogt, aufgenommen? Noch dazu, wo du ja kein Unbekannter bist?
Uli Brée: Naja, das mit der Prominenz ist überschätzt. Es kommt auch darauf an, wie man auf die Leute zugeht und ich bin da der offene Typ. Zum Beispiel: Wenn ich heut meine Garage aufmache, dauert’s nicht lange und meine Kumpels sind da.

ferienhoch.at: Die Garage – oder soll man sagen: Halle – mit den Triumph-Motorrädern?
Uli Brée: Ja, im Sommer. Im Winter werden die weggeräumt und wir bauen eine echt große Carrera-Autorennbahn auf. Mit einer 12 Meter langen Geraden, getunten Autos und so. Dann gibt’s heiße Slotcar-Rennen mit meinen Nachbarn und Freunden. Das ist auch so ein Stück Heimat für mich. Oder dass meine Tochter und mein Sohn einfach bei der Tür rausgehen und Freunde besuchen können. Genau so wollte ich, dass meine Kinder aufwachsen. Das ist einfach eine andere Form der Kindheit, in etwa so, wie ich sie selbst erlebt habe.

ferienhoch.at: Als kreativer Mensch, der 20 Jahre lang in der Wiener Kulturszene gearbeitet hat: Wie schafft man es da, ohne gröbere Mangelerscheinungen oder im wahrsten Sinne „Kulturschock“ in die Provinz, aufs Land zu ziehen?
Uli Brée: Indem ich mein und das spürbare Bedürfnis der Leute hier nach Kultur versuchte und versuche zu befriedigen. Ich begann bald nach dem Hauskauf hier mit Theaterprogrammen und Kabarett im Gasthof Löwen in Barwies und der Erfolg gab uns sehr schnell recht. Unlängst machte ich eine Benefiz-Lesung, die fast die Moosalm gesprengt hat. Jetzt denken wir gerade eine regelmäßige Lesungs-Reihe an. Ich habe das Glück, damit kein Geld verdienen zu müssen und wenn ich Zeit habe, mache ich nach wie vor gerne Kultur hier.

ferienhoch.at: Was uns zum Brotjob bringt: Ein Millionenpublikum kennt deine Geschichten, wenn auch nicht immer den Mann dahinter. Die unvermeidbare Frage: Was bedeutet dir Erfolg?
Uli Brée: Klingt vielleicht blöd, aber es ist viel schwerer, mit dem Erfolg umzugehen, als nach Erfolg zu streben. Gemeint in dem Sinne, als ich zum Beispiel bis Ende 2013 völlig ausgebucht bin. Und da sind nicht mal Aufträge dabei, die ich nur zum Geldverdienen mache, sondern alles super Sachen. Bei reizvollen Projekten kann ich nicht Nein sagen, deshalb ist es eben manchmal schwer.

ferienhoch.at: Und die Inspiration leidet nicht darunter, wenn man bedenkt, dass du pro Jahr bis zu 15 Drehbücher für Filme oder Serien schreibst?
Uli Brée: Da ist sehr viel Handwerk dabei. Und ich habe die Fähigkeit zur Selbstkritik. Wenn ich herumhirne an einer Geschichte – was ich gerne bei Spaziergängen hier am Plateau mache – muss ich mich auskennen. Ich muss wissen, was geschieht und warum es geschieht, und die Figuren müssen authentisch sein. Sonst bin ich unzufrieden. Die Geschichte muss in meinem Kopf fertig gebaut sein, dann kann ich sie relativ schnell schreiben.
ferienhoch.at: Welche Stoffe sind dir die liebsten?
Uli Brée: Komödien mit Tiefgang. Wenn die Geschichte authentisch ist, kann ich darüber lachen. Komödien sind nämlich nur dann lustig, wenn man sie ernst nimmt als Autor. Und ich begegne auch ernsten Themen gerne mit Humor. Wenn der Zuseher zumindest einmal während einer Komödie zu Tränen gerührt ist, hab ich’s geschafft.

ferienhoch.at: Ein Beispiel dafür aus deiner Feder?
Uli Brée: „Live Is Life – Die Spätzünder“ mit Jan Josef Liefers und Ursula Strauss. Da habe ich versucht, die Probleme und Abgründe in einem Altersheim aus einem optimistischen und zuversichtlichen Blickwinkel darzustellen. Die Idee kam mir durch meine Mutter. Wenn ich sie im Altersheim besucht habe, dann hatte das immer etwas Deprimierendes. Und so kam die Idee, eine Geschichte zu machen, die zeigen sollte, dass es auch anders ablaufen könnte. Viele Leute haben mir nach der Erstausstrahlung gesagt: „Genau so isses!“. Das hat mich gefreut. Ich schreibe übrigens grade am zweiten Teil.

ferienhoch.at: Im Schnitt läuft einmal pro Woche auf deutschen, österreichischen oder schweizer Kanälen ein Film oder eine Serie, für den/die du das Drehbuch geschrieben hast. Was macht dich so begehrt?
Uli Brée: Vielleicht der Umstand, dass meine Bücher bei Abgabe drehfertig sind. Das schätzen Regisseure. Und die Authentizität des Plots und der Figuren. Das wird es wohl sein.

ferienhoch.at: Was steht 2013 bei dir sonst noch an? Worauf darf man sich als Fernseh-Zuschauer freuen?
Uli Brée: Da wäre zunächst eine neue ORF/ARD-Serie namens „Paul Kemp – Alles kein Problem“. Darin verkörpert Harald Krassnitzer einen Psychologen, Soziologen und Mediator, der zwar die kniffligsten Fälle löst, sein eigenes Privatleben aber nicht in den Griff bekommt. Dann eben der 2. Teil des ORF/SWR-Fernsehfilms „Live Is Life – Die Spätzünder“, 12 neue Folgen der ORF-Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“, ein weiterer „Tatort“ und einiges mehr.

 

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