Der längste Sommer Tirols.
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Die Geschichte(n) von Flaurling für Flaneure

Die Geschichte(n) von Flaurling für Flaneure

Die Geschichte(n) von Flaurling für Flaneure

Die Geschichte(n) von Flaurling für Flaneure

Die Geschichte(n) von Flaurling für Flaneure

Die Geschichte(n) von Flaurling für Flaneure

Wo der große Tourismus bislang vorbeigezogen ist, sind noch unverfälschte Einblicke in die Dorfgeschichte und Lebenswelt der Einheimischen möglich. Der geführte „Spaziergang durch die Jahrhunderte“ in Flaurling ist nicht nur eine unterhaltsame Geschichtsstunde, sondern auch eine berührende Begegnung mit dem Heute.

Das 1.250-Seelen-Dorf Flaurling liegt auf einem gewaltigen, durch Muren gebildeten Schüttkegel. Bereits im Jahr 763 n. Chr. wurde die Siedlung als „Flurininga“ urkundlich erstmals erwähnt, und 2013 feiert sie offiziell ihr 1.250-jähriges Bestehen. Ja, die beiden Zahlen stimmen überein, es ist aber nicht ein Einwohner pro Jahr, vielmehr hat sich die Zahl der anerkannten Flaurlinger in den letzten 30 Jahren um ein Drittel erhöht. Mit solchen und weiteren Infos und Zahlenspielen zu Geografie und Geschichte begrüßt Andrea Raggl, rührige Obfrau des örtlichen Kulturvereins, die Interessierten bei der Pfarrkirche Flaurling. Gleich wird sie die Gäste mitnehmen zu einer kundigen Führung per pedes, die sich im Wochenprogramm der Ferienregion Sonnenplateau Mieming & Tirol Mitte „Spaziergang durch die Jahrhunderte“ nennt. Man könnte die eineinhalb Stunden an ihrer Seite aber auch als anekdotenreichen „Parcours“ durch Vergangenheit und Gegenwart bezeichnen, der nicht nur His­toriker und Kulturfreaks mitreißt, sondern auch den Unterhaltung suchenden Feriengast.

Im Gehen verstehen
„Ich bin ein interessierter Laie. Als „Zuagroaste“ hab ich mir gedacht, wenn ich hier Wurzeln schlagen will, muss ich mich ein bisschen für den Ort interessieren“, beschreibt Andrea Raggl, die mittlerweile schon seit 30 Jahren in Flaurling wohnt, ihre Motivation. Während die kleine Gruppe nun loswandert, folgen ihre Erklärungen weiterhin wie im Stakkato, zeugen von optimaler Vorbereitung, aber vor allem von großer Begeisterung für die Sache. Charmant öffnet sie den Besuchern die Augen für verborgene Details und Zusammenhänge und schenkt ihnen einen neuen Blick auf scheinbar Unscheinbares. Ob man sich dabei alle Jahreszahlen und Namen
merken will, ist nebensächlich, denn auch so formt sich beim Zuhören Schritt für Schritt ein bewussterer Blick auf das Dorf. Seine lange Geschichte ist hier allerorten noch sicht- und greifbar. Manche Gebäude haben gut und gerne 600 Jahre am gemauerten Buckel, und die Erinnerung der ältesten Dorfbewohner weiß hervorzukramen, was sich junge Generationen höchstens in Schwarz-Weiß-Bildern ausmalen können. Denn am Weg vom Hier und Jetzt zurück ins Damals werden den Teilnehmern noch einige Flaurlinger Originale begegnen…

Besuch beim Pfarrherrn
Im romantischen Barockgarten des Risschlosses oben am Waldrand macht sich Lust auf Verweilen bemerkbar. Man kann sich gut vorstellen, wie eindrucksvoll hier ein Konzert oder ein Chorauftritt wirken muss. Das außergewöhnliche Ambiente und die gute Akustik macht sich der Kulturverein Flaurling gerne für kleine, aber feine Veranstaltungen zunutze, erzählt Andrea am Weg in die Kapelle. Der bemerkenswerte gotische Altar sei bei Insidern berühmt, deutet sie gestenreich auf das Werk eines unbekannten Malers. „Im Lauf der Zeit hat jeder neue Pfarrer hier Umbauten veranlasst, aber der Altar wurde vor dem Modernisierungsdrang zum Glück verschont!“ Solche Details merkt man sich mit einem Schmunzeln, während der Blick über die bunte Vertäfelung und Gemälde im Nazarenerstil wandert. Aber schon geht’s weiter, vom ehemaligen Ansitz des Pfarrherrn Sigmund Ris hinunter ins Dorf, wo das einfache Volk lebte und (viel und hart) arbeitete. Der Rundgang verläuft immer ein bisschen anders, denn die Zeit reicht bei weitem nicht für alle sehenswürdigen Gebäude. Ja, die Wahrscheinlichkeit ist sogar groß, dass man sich unterwegs im Gespräch „verläuft“ und immer tiefer abbiegt in die spannenden Gefilde der Historie.

… und bei der netten Müllerin
Dieses Mal steuert die engagierte „Reiseleiterin“ die ehemalige Mühle im Ortszentrum an, wo lange Zeit das Korn der Flaurlinger und Oberhofer Bauern gemahlen wurde. Seit dem 16. Jahrhundert befindet sie sich im Besitz der Familie Mair, und erst als 1961 der Mühlbach zwecks anderweitiger Energiegewinnung abgeleitet wurde, standen die Mühlsteine für fast vierzig Jahre still. Gastgeberin Maria Mair, die Schwester des letzten Müllers, begrüßt die Ankömmlinge im behutsam renovierten Gebäude und freut sich sichtlich, dass der Familientradition zumindest für Schauzwecke wieder Leben eingehaucht wird – und sei’s durch einen Elektromotor. Abgesehen davon fühlt man sich durch die original erhaltenen Gerätschaften und Gegenstände in alte Zeiten zurückversetzt. Vor dem inneren Auge ziehen Bilder vorbei, wie die Bauern hier ihre beschrifteten Säcke voll Korn ablieferten, wie es der Müller dann in den Trichter schüttete, zum Reinigen in die „Putzerei“ im 2. Stock hinaufbeförderte und in den Mahlwerken zu feinem Mehl und Kleie verarbeitete. Und wie er zwischendurch im urigen „Mühlstüberle“ beim Kartenspiel entspannte, bis ihn das Glöckchen am Mahlwerk wieder zur Pflicht rief. „Während der Pestzeit durfte er ja nicht nach Oberhofen, deshalb hat der Austausch auf einer Wiese am Ortsrand stattgefunden. Das ist bis heute die Mühlwiese“, weiß Maria Mair. Und hängt gleich noch eine Anekdote an: „Im Krieg haben die Menschen einen Großteil des Korns abliefern müssen. Weil darüber hinaus gehende Vorräte also verboten waren, hat der Müller das Korn tagsüber im Heu versteckt und nachts gemahlen.“

Die Wirtin & die Gasthaus-Kultur
Beim Hinaustreten auf die Straße muss man richtig blinzeln, um mit allen Sinnen wieder im 21. Jahrhundert anzukommen. Der nächste Zeitensprung steht jedoch unmittelbar bevor, denn Elfi Praxmarer, die Wirtin des 600 Jahre alten Gasthauses „Goldener Adler“ – der nächsten Station des Rundganges – wird die schmucken Fresken und historischen Nebengebäude persönlich vorstellen. Und man kann sich ausmalen, wo der Spaziergang in die Vergangenheit endet: in der Gegenwart der urgemütlichen Gaststube des altehrwürdigen Wirthauses bei gutem Essen und Trinken und vielen weiteren Geschichten…

 

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