Der längste Sommer Tirols.
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Zur Krippe her kommet!

Zur Krippe her kommet!

Zur Krippe her kommet!

Zur Krippe her kommet!

Zur Krippe her kommet!

Fast jeden Haushalt in Tirol schmückt zur Adventzeit eine liebevoll aufgestellte Krippe. Auch die Tradition des „Krippenschauens“ in Kirchen, Privathäusern und Ausstellungen der Krippenvereine ist hier noch gelebte Volkskultur. ferienhoch.at ist der Einladung zum Schauen und Staunen gefolgt und hat Krippenfreunde in der Region besucht.

Drei Dinge sind es vor allem, die der Krippenbauer nötig hat: Die tiefe Liebe zur Sache, die nimmermüde Phantasie und die unentwegte Geduld, zusammengefasst in einem gläubigen Herzen.“ Diese Zeilen hängen gerahmt als Leitspruch im Krippenbaulokal des Krippenvereines Telfs. Dort werken bereits Monate vor der Adventszeit zahlreiche fleißige Hände unter der Leitung von Obmann und Krippenbaumeister Alfons Wegscheider. Jedes Jahr entstehen hier phantasievolle und bis ins Detail liebevollst angefertigte Krippen, ganz nach persönlichem Geschmack ihrer Erbauer. Mehr als 100 waren es in den letzten 30 Jahren, den Verein gibt es bereits mehr als ein Jahrhundert.
Mit 35 Jahren ist Alfons Wegscheider sicher einer der jüngsten seiner „Zunft“. Die Liebe zur Sache hat ihm der Großvater vorgelebt: „Mein Opa hatte eine riesengroße Krippe, das hat mich immer fasziniert. Leider ging diese bei einem Brand den Weg alles Irdischen…“ So hat der kleine Alfons bereits in der Volksschule begonnen, „Krippelen“ zu bauen, was er gerne als sein Erweckungserlebnis bezeichnet. Es sollten noch einige dazukommen im Laufe der Jahre, derzeit besitzt er sieben, bald neun Krippen aus eigener Hand.

Eine lange Geschichte
Der Überlieferung nach geht die lebende Krippendarstellung auf den heiligen Franziskus von Assisi zurück, der im Jahr 1223 das stille, innige Fest der Heiligen Familie mit lebenden Tieren und Menschen nachempfand. Seither hat das Krippenwesen stetig an Bedeutung gewonnen. In der Landeshauptstadt Tirols wurden die ältesten Weihnachtskrippen etwa bereits im Jahre 1608 verzeichnet. Besonders die Klöster der Franziskaner und Kapuziner ermunterten das Volk, Weihnachtskrippen auch im eigenen Zuhause aufzustellen. Auch in Telfs war es das Franziskanerkloster, das den Krippengedanken einst in der Region verbreitete.
Als die Krippen zur Zeit der Aufklärung aus den Kirchen verbannt wurden, hielten sie verstärkt Einzug in den Bürger- und Bauernhäusern und es entwickelte sich schon um 1740 herum ein reger Austausch der „Krippeler“. Namhafte Schnitzer, Hintergrundmaler und Krippenbauer wie Johann Nepomuk Giner der Ältere, Johann Giner der Jüngere, Speckbacher, Probst, Demetz, Seisl, Kratzer, Pernlochner und Penz beeinflussten das Krippenwesen in Tirol entscheidend, und 1860 schließlich wurde mit dem Krippenverein in Wenns im Pitztal der älteste Krippenverein der Welt gegründet.

Eine Krippe für jeden Haushalt
„Krippenbau ist kein Modellbau“, wehrt sich Alfons Wegscheider gegen einen Irrtum, „ohne Glauben wird das nämlich nichts.“ Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Darstellung der Geburt des Herrn in jeden Haushalt zu bringen. Sein Verein ist einer von knapp 90 in Nord- und Osttirol und wie die meisten von ihnen ein Ganzjahresverein. Die Mitglieder sind auch sozial engagiert und leben Brauchtum im gesamten Jahreslauf. Denn auch das Krippenwesen ist nicht nur auf die Weihnachtszeit beschränkt, so gibt es in der Fasten- und Osterzeit zahlreiche Fasten- und Passionskrippen. Ob traditionell oder modern, dem Formenreichtum und der Phantasie der Tiroler Krippenkünstler sind kaum Grenzen gesetzt. Im Laufe der Zeit wird jeder Krippenbauer verschiedene Materialen und Formen ausprobieren, immer rat- und tatkräftig unterstützt von seinen Freunden in den Baukursen. Denn hat man sich den „Krippenvirus“ erstmal eingefangen, will man ihn gar nicht mehr loswerden. „Man kennt landauf, landab die Krippeler und besucht sich gegenseitig. Das ist eine sehr harmonische und bunte Gemeinschaft.“ Zur Tradition gehört auch das wechselseitige Krippenschauen in den Vereinsausstellungen und das damit verbundene Fachsimpeln. Doch bei all den handwerklichen Details vergessen die Krippenfreunde nie den eigentlichen Zweck ihrer Bauten: Dem Geschehen von Jesu Geburt einen würdigen und passenden Rahmen zu geben.

 

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