Der längste Sommer Tirols.
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Kaffee mit Milch und Charme

Kaffee mit Milch und Charme

Kaffee mit Milch und Charme

Kaffee mit Milch und Charme

Servicefachkräfte, wie man Kellner in der Fachsprache nennt, sind die Dreh- und Angelpunkte in einem funktionierenden Gastbetrieb. Trotzdem stehen sie immer ein bisschen im Schatten des Kochs, dessen Künste oft extra gewürdigt werden; ein perfektes Service wird hingegen vorausgesetzt. Die dienstbaren Geister nehmen aber eine Schlüsselposition zwischen Gast und Gastbetrieb ein, sind sie doch die ersten Ansprechpartner beim Betreten des Lokals, gehen höflich und diplomatisch mit Lob und Kritik um, halten das Geschäft am Laufen und müssen zu späterer Stunde an der Bar vielleicht auch mal als Psychologe aushelfen. Ihr Berufsbild umfasst also viel mehr, als die Speisekarte zu reichen, Bestellungen aufzunehmen und Getränke und Speisen an den Tisch zu bringen. Trotz langer Arbeitszeiten und eines recht negativen Images üben viele Kellner ihre Arbeit mit Leib und Seele aus.

Jeder Gast ist König – und gleich!
Wortgewandt, charakteristisch und ein verschmitztes Lächeln im Gesicht – so kennen ihn die Telfer und Generationen von Gästen, die im Hotel Restaurant Munde im Ortszentrum aus- und eingehen. Karl-Heinz Stieber, oder einfach „der Heinz“, ist mittlerweile eine Institution und liebt seinen Beruf ganz offensichtlich. Seit 26 Jahren verwöhnt und amüsiert er gekonnt Stammgäste wie Urlauber, steife Etikette und hochnäsige Gäste sind dabei nicht das Seine. Vielmehr schätzt er den höflichen, aber herzlichen Kontakt mit den Wirtshausbesuchern. Dabei macht er keine Unterschiede, wen er gerade bedient: „Ob das der Bundespräsident ist oder ein ganz normaler Gast, spielt bei mir keine Rolle.“ Und das ist nicht nur so dahergesagt, denn Heinz hat bereits den österreichischen Bundespräsidenten samt Gefolge bedient. Im ersten Lehrjahr in Graz übrigens, was schon damals das diplomatische Geschick der jungen Servicekraft unter Beweis stellte.
Auf die Frage, ob er denn nicht ein paar Anekdoten mit berühmten Gästen erzählen könne, antwortet Heinz verschmitzt: „Es gehört zu meinem Beruf, viel mit meinen Gästen, aber nicht über sie zu reden.“ Und besonders unangenehme Gäste? „Ja, die gibt’s manchmal, aber ich weiß schon damit umzugehen. Da hab’ ich ein dickes Fell und kann schon auch mal die Grenzen aufzeigen.“

Der Zufall führte Regie
Dass der Steirer ausgerechnet in Telfs heimisch geworden ist, ist dem Zufall zu verdanken: 1984 auf der Durchreise machte er in Telfs Halt und saß gemütlich auf der Terrasse der Munde. Er kam gerade aus Deutschland, wo er ein paar Jahre gejobbt hatte, und war auf der Heimreise in die Steiermark. Aus einem zufällig mit angehörten Gespräch am Nebentisch erfuhr er, dass man hier einen Kellner suchte. Flugs im Auto und auf der Toilette in Schale geworfen, stellte sich Heinz der Chefin Waltraud Härting vor und wurde trotz seines „komischen“ steirischen Dialekts auch angestellt. Ein Glücksgriff der nunmehrigen Seniorchefin.

Service im Wandel der Zeit
Der Gast soll sich wohlfühlen, egal ob bei einem schnellen Espresso oder beim Kartenspielen bis in den frühen Morgen. Als Kellner muss man gut zuhören können und vielleicht auch mal einen Ratschlag geben. Dass Heinz dies alles gelingt, sieht man daran, dass die Gäste immer wiederkommen – manche sogar schon in der dritten Generation. Viele Urlauber bringen ihm Andenken mit und halten ihn über Hochzeiten und Geburten am Laufenden. Alle Fotos und Postkarten sammelt er in einem Album, und jährlich zu Weihnachten verschickt er selbst an die 90 Grußkarten an seine liebsten Gäste in alle Welt. Für den stets korrekt gekleideten Wahl-Telfer war immer schon klar, dass sein Beruf einmal viel Kontakt mit Menschen beinhalten sollte. Die Entscheidung für die Kellnerlehre – als gewählte Alternative zum Floristenberuf – hat sich bis heute als goldrichtig erwiesen: „Ich würde jederzeit wieder Kellner lernen,“ nickt Heinz ohne lang zu überlegen. Dabei hat sich in den 35 Jahren seiner Berufslaufbahn so einiges verändert. „Heute ist alles ein bisschen stressiger. Vor allem die vielen Busreisenden haben ein dicht gedrängtes Programm“, erinnert sich der 50-Jährige an gemütlichere Zeiten. Technischen Neuerungen wie etwa der Computer-Kassa traut er nicht so ganz und rechnet lieber mit Zettel, Stift und Zahlengedächtnis nach. So kennt man den Heinz und so will man es haben, wenn man in der Munde einkehrt. Ob’s noch was sein darf? Ja, gerne!

 

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