Es ist steil. Sehr steil

Es ist steil. Sehr steil

Es ist steil. Sehr steil

Es ist steil. Sehr steil

Kahl und mächtig - schicksalsträchtig. Die Munde ist der sagenumwobene Hausberg der Region tirolmitte. Um sie ranken sich düstere Legenden, ihr markantes Profil reizt Künstler und der Gipfel war ein Drama, das Felix Mitterer ihr auf die Spitze schrieb. Dieser Berg provoziert Emotion.

Wie ein Steinhelm wird das Mundemassiv in frühen Aufzeichnungen beschrieben. Wer sich von Innsbruck aus nähert, erhascht einen Blick auf die ungewöhnliche Form, die vom Westgipfel der Hohen Munde (2.662 m) und dem Mundekopf (2.059 m, Ostgipfel) geprägt ist. Das Massiv erhebt sich nördlich von Telfs, östlich liegt das Seefelder Plateau und im Norden wird es durch das Gaistal vom Wettersteingebirge getrennt. Schon der umtriebige Kaiser Max nahm um 1500 Notiz von der markanten Erhebung. Er bezeichnete sie in seinem Jagdbuch als „muntan“, was nichts anderes als „Berg“ bedeutet. Über fünfhundert Jahre später zog der beliebte Moderator der ORF-Sendung „Klingendes Österreich“, Sepp Forcher, angesichts der Munde diesen Vergleich: „Wie a Großmutter so braat hockt sie do.“ Viel Platz nimmt sie auf jeden Fall ein. Vor allem die Telfer scheinen die Allgegenwärtigkeit des Berges auf sehr innerliche Weise zu respektieren. Solch außergewöhnlicher Bezug zwischen Mensch und Natur gipfelte vor über fünfzehn Jahren in eine Einverleibung: Alt-Bürgermeister Helmut Kopp bot den Österreichischen Bundesforsten Waldflächen für das Gipfelareal und begründete das Bestreben des Hausberg-Erwerbs als „Sache der Emotion“. 1995 gelang es also, die Munde in Besitz zu nehmen.

Bis zur Hälfte Latschen
Wiederum fünf Jahre früher: Wir schreiben das Jahr 1990 und erleben eine Hochblüte der jährlichen Tiroler Volksschauspiele in Telfs. Der durch seine „Piefke-Saga“ über die Grenzen hinaus bekannte Schriftsteller Felix Mitterer hat für den kahlen Berg ein Drama in Sätze gegossen. Das Stück heißt „Munde“ und soll im Sommer auf der Hohen Munde uraufgeführt werden. Der Text ist bereits gedruckt, es gilt den Aufführungsort zu inspizieren. Der Dichter beschreibt den Aufstieg zum Lokalaugenschein wie einen literarischen Tourentipp: „Um 10 Uhr fahren Rudi Nagiller und ich nach Leutasch-Moos, mit dem Sessellift* auf die Rauth-Hütte (*gibt es nicht mehr), gehen von dort auf die Munde. Es ist steil. Sehr steil. Hätte ich nicht gedacht. Bis zur Hälfte Latschen. In der Mitte, knapp über den Latschen, machen wir eine Pause. Leutasch, Seefeld, das Inntal, alles liegt unter uns. Die Dohlen kommen. Ich füttere sie mit Brotkrumen. Wir gehen weiter. Jetzt nur mehr Steine und Geröll. Manchmal braucht man die Hände. Die Einheimischen haben es mir ja gesagt - ein „Stoanerhaufen“. Mühselig zum Gehen. Immer glaubt man, bald oben zu sein. Aber das täuscht. Nach drei Stunden am Ziel. Der Ostgipfel, der unser Spielort sein soll, ist ein weitläufiges Plateau, das sich nach hinten absenkt. Nach Norden hin noch ein paar Schneeflecken. Ein kleines eisernes Gipfelkreuz. Fast wie ein Grabkreuz. Der Sendeturm des Telfer Kabelfernsehens. Eine unglaubliche Aussicht. Direkt unter uns Telfs.“ 2009 bildete dann der Gipfelbereich der Hohen Munde einen Teil der Kulisse für die Tatort-Krimifolge „Baum der Erlösung“.

Hausberg & Stoanerhaufen
Das Massiv bietet viele Aufstiegsmöglich keiten. Die Erstbesteigung der schwierigen Munde-Südwand gelang dem Team Bert Fankhauser und Alois Rehacek 1932, die noch selektivere Route direkte Südwand durchstiegen erst 1978 Helmut Wagner und Manfred Abelein. Für weniger Geübte ist der Berg auf einer moderaten, allerdings gute Kondition erforderlichen Tour von Moos aus, über die Rauthhütte zu erreichen. Trittsicheren Bergsteigern kann auch die Route von Telfs aus, in Straßberg abzweigend zum Sattel der Niederen Munde - also über den Westgrat empfohlen werden (siehe Tourentipp von Robert Monz!). Über die Ostflanke bietet sich im Frühjahr auch eine Besteigung als Skitour an. Der Telfer Hausberg, liebevoll als „Steinhaufen“ tituliert, erhielt sein kahles Profil durch ein dramatisches Ereignis, das in einer Munde-Sage tradiert wird. Der „Mund’nschafer“ erzählt vom Pestsommer 1634. Damals soll die Vegetation noch bis in den Gipfelbereich intakt gewesen sein, wo der Schafhalter seine Tiere grasen ließ. Ihn traf wie ganz Telfs schweres Unheil durch Pest und Feuer, das seinen Sohn, die Schafe und ihn das Leben kostete und die Bergspitzen für immer kahl bleiben lassen sollte. Eine Marmorstatue von Heinrich Tilly an der Einfahrt zum Tel fer Ortsteil St. Georgen thematisiert den „Mund’n schafer“ überlebensgroß.

Munde in Öl
Die Munde selbst nimmt viel Platz im Schaffen von Künstlern ein. Chryseldis fokussierte - wie einige andere Kollegen auch - ihr Wirken für die farbig-akzentuierten Plakate rund um die Tiroler Volksschauspiele in Telfs gerne auf den Berg. Der Hausberg ist pure Inspiration. Er beflügelte den lokalen Kamera-Klub zu einem Fotowettbewerb und er bot Stoff für eine Ausstellung in alten und neuen Ansichten. Schon Beda Weber hielt in seinem Reisebericht von 1837 fest: „...der Berg aus furchtbar anmutigen, fast terrassenförmigen Anstiegen ins großartigste Kalkgestein ausläuft und die Grenze gegen die Nordstürme bildet.“ Auch Heimatdichter Ludwig Ganghofer verfiel seinem Anblick. Er übernahm ab 1896 die Gaistaljagd und schrieb in seinem Jagdhaus Hubertus auf der Tillfußalm seine schönsten Romane. Dieser Berg ist magisch und dient zudem noch der regionalen Meteorologie: „Trägt die Munde einen Sabel (säbelförmige Wolken), wird das Wetter miserabel.“

 

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