Raufklettern ins Glücksgefühl

Raufklettern ins Glücksgefühl

Raufklettern ins Glücksgefühl

Raufklettern ins Glücksgefühl

Klettern ist nicht nur ein Breitensport, der Jahr um Jahr mehr AnhängerInnen findet, sondern vor allem eine felsenfeste Lebenseinstellung. Dementsprechend wurde und wird das Angebot an Klettergärten, -routen und -steigen sowie der dazugehörigen Infrastruktur in den Tourismusregionen tirolmitte und Mieminger Plateau sukzessive erweitert und verbessert. In diesem „Climbers Paradise“ trainiert auch ein junger Kletterer namens Bernhard Hangl junior. Und der Telfer macht’s oft und hart, was mitverantwortlich ist für seinen Status als Ausnahmekletterer und Vorbild. »ferienhoch.at« erzählt er von der Leidenschaft, die sein Leben bestimmt.

Dahoam sterben die Leit’!“. Der Leitspruch von Benni Hangl jun. (vom Senior wird noch zu sprechen sein) ist deutlich und er hält sich daran. Jede freie Minute nutzt der knapp 21-Jährige, um seine Hände ins Magnesium zu tauchen und schwierigste Routen zu klettern. Die Routine bringt er mit, denn sein Papa Bernhard - selbst Bergführer, Top-Kletterer und vielfacher Erstbegeher - hat ihn früh mit dem Fels angefreundet: „Mit vier Jahren hab ich begonnen, im sogenannten „Dschungelbuch“ (Klettergarten; Anm.).“ Im Alter von 13 Jahren klettert der Junior in Grad 9+, zwei Jahre später 10-, mit 18 schafft er zum ersten Mal 10+. Davor galt seine sportliche Begeisterung ein paar Jahre auch dem Skateboard, geblieben ist letztlich die Kletterei. Hangl jun. bezeichnet sich selbst als Allrounder: „Ich mache alles gerne, von der Sport- über die Alpin- bis zur Eiskletterei, wo ich sogar wettkampfmäßig immer wieder mal mitmische.“ Ansonsten sind ihm Wettkämpfe, Meisterschaften und andere Rankings herzlich egal, denn „ich will tun, was ich will. Ich hab viele Sportarten ausprobiert, nichts ist so facettenreich wie das Klettern.“ Konkurrenzdenken sei ihm fremd, die gute Stimmung beim Klettern viel wichtiger als jede Platzierung. Dank der Zugehörigkeit im Austria Alpin - Marmot - Rock Technology- Team kann Benni Hangl jun. diese Freiheit auch sponsorengestützt genießen.

Wie in Trance
Der junge Kletterer beschreibt Unbeschreibliches: „Das Gefühl, wenn man eine schwere Tour probiert und letztlich raufkommt, kann man nicht in Worte fassen. Auch nicht das Glücksgefühl, wenn man nach einem anstrengenden Klettertag zufrieden ins Bett fällt.“ Freundin Natalie versteht das sicher. Auch wenn ihr Freund Benni nachts - wie er erzählt - von Schlüsselstellen in schweren Routen träumt und vor dem unterbewussten geistigen Auge Züge nachstellt. Natalie hat jetzt selbst mit dem Klettern begonnen…
Was gibt einem Top-Kletterer wie ihm den absoluten Kick? „Free Solo auf 9-- Routen in der Telfer Hex“, lautet die Antwort in der Fachterminologie. Grob übersetzt: Klettern ohne Seil und Sicherung in einem sehr hohen Schwierigkeitsgrad, sprich ab der Senkrechten, in einem Telfer Klettergebiet. Benni Hangl beeilt sich zu sagen: „Im Prinzip ist’s blöd, klar, aber der Wunsch wird immer stärker und das Gefühl danach, das ist wohl der absolute Kick, du bist echt in Trance. Danach kletterst du um Welten besser. Aber auch eine 9-Längen-Alpintour bei 8+/9- an einem Tag kann ihn „beamen“, ebenso der Durchstieg einer 10+-Route.

Nie selbst überschätzen!
Was aber rät der Experte dem Anfänger bzw. Fortgeschrittenen? „Erwachsene, die Klettern lernen wollen, würde ich zu meinem Vater in einen Kurs schicken, da können sie nichts falsch machen“, ist der junge Hangl schmunzelnd von den Fähigkeiten seines Vaters überzeugt.
Die geringsten Erfahrungswerte setze das Bouldern voraus: „Kletterpatschen, eine Schaumstoffmatte, ein Beutel Magnesium und schon kann’s losgehen.“
Dann kommt als nächste Schwierigkeitsstufe das Sportklettern: „Man soll auf jeden Fall einen Kurs besuchen, unabhängig vom Alter. Die Grundzüge der Sportkletterei am Fels oder in der Halle sind auch relativ einfach zu erlernen. Es braucht aber Wissen um die Sicherungstechnik und um die richtige Bewegung, vor allem am Fels.“ Er selbst verlässt sich beim Sichern übrigens seit über fünf Jahren auf seinen Freund Jakob Arnold, der auch für die fotografische Dokumentation verantwortlich zeichnet. So auch auf diesen Seiten des »ferienhoch.at«. Danke, Jakob, für die Bilder!
Das Alpinklettern auf eigene Faust empfiehlt Benni Hangl jun. nur erfahrenen Kletterern, denn das alpine Gelände und auch das Wetter verlangen dem Sportler einiges ab: „Die Seiltechnik muss perfekt sitzen, man muss fähig sein, einen Stand zu bauen, muss bestens ausgerüstet sein für alle Wetterkapriolen und vieles mehr. Hauptunfallursache ist Selbstüberschätzung! Deshalb: Vorher im Klettergarten üben, beraten lassen und im Zweifelsfall nur mit einem Bergführer klettern gehen!“
Das Eisklettern schließlich ist die zwar beeindruckendste, aber auch gefährlichste Königsdisziplin und den erfahrensten Kletterern vorbehalten. Die Einschätzung des Eises, auf dem man seine Sicherungspunkte setzt, bedarf langjähriger Routine, ebenso das Handling der Ausrüstung. „Ein Sturz im Eis tut immer fürchterlich weh“, berichtet Benni Hangl.

Oder doch nach Spanien?
Der 21-jährige gelernte Elektriker lässt sich derzeit beim Österreichischen Bundesheer im Tiroler Oberland zum Unteroffizier und Heeres- Bergführer ausbilden, außerdem ist er Bergrettungs-Anwärter. Ob er seinen beruflichen Weg jetzt am Stück geht oder sich zwischendurch einen Umweg gönnt, um unbeschwert und intensiv zu klettern (zum Beispiel in Spanien, wie er liebäugelt), steht irgendwo da oben im Fels geschrieben. Besser mal nachsehen...

 

zurück...