Mit kleinen Beinen auf große Berge

Mit kleinen Beinen auf große Berge

Mit kleinen Beinen auf große Berge

Mit kleinen Beinen auf große Berge

Der Hintereggensteig zur Alplhütte in Telfs ist im erlauchten Kreis jener Bergwege, die das Tiroler Gütesiegel tragen dürfen. Dieses Prädikat bedeutet, dass man auf einem markierten, gut beschilderten und ebenso gut gewarteten Weg unterwegs ist. Als Wanderer kann man daher einen fantastischen Bergweg erwarten. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, hat »ferienhoch.at« zusammen mit dem Wanderprofi und Buchautor Peter Freiberger per pedes erkundet. Dass dabei viele Tipps zum Wandern mit Kindern mitgeliefert werden, liegt nicht nur daran, dass Peters elfjährige Tochter Lisa das Tempo der Wanderung vorgibt…

Besondere landschaftliche Schönheit mit Flora (und - wenn man genau hinsieht und ein wenig Glück hat - Fauna), besondere Ausblicke und Panoramen sind dem Wanderer auf Bergwegen mit Gütesiegel sicher. Der Hintereggensteig ist einer von tirolweit 64 Bergwegen, die diese Auszeichnung tragen dürfen. Ein lohnenswertes Ziel also, das sich unser Wanderteam mit Peter und Lisa Freiberger vorgenommen hat. Wir treffen uns beim Ausgangspunkt Strassberghaus, auf 1.200 m Seehöhe über Telfs.

Immer gut (aus)gerüstet!
Gute Bergschuhe und Tagesrucksäcke mit der üblichen Ausrüstung genügen uns Erwachsenen für diese Tour von veranschlagten drei Stunden. Familienwanderexperte Peter hat diesbezüglich bereits einen ersten Tipp parat: „Der Rucksack für Kinder soll so leicht wie nur möglich sein. Ein Getränk und Reservewäsche kann das Kind selbst tragen, das ist gut für die Motivation. Alles andere wie die Jause, reichlich Flüssigkeit, Regenschutz, Handschuhe, Hauben, eventuell ein Biwaksack und eine Erste-Hilfe-Ausrüstung müssen die Erwachsenen im Rucksack haben. Ach ja: Sonnenschutz wie Cremes und Hüte nicht vergessen!“
Solcherart ausgestattet machen wir uns auf den serpentinenreichen Weg durch Mischwald in Richtung Niedere Munde. Bereits dort können wir immer wieder ins Inntal blicken und die Häuser beim „Schrumpfen“ beobachten. Und irgendwie wird auch mit jedem Höhenmeter, den wir erwandern, all das, was uns da drunten so bedeutend erscheint, kleiner. Viel wichtiger ist jetzt die Wegmarkierung, die uns führt, die wunderschöne Distel am Wegesrand, der Felsblock, der sich leicht erklettern lässt, die Bank unter dem Laubbaum, die uns stumm eine kurze Rast empfiehlt.

Mit dem Baby auf die Alm
Über all dem thront der Telfer Hausberg, die 2.662 m Hohe Munde, die zu besteigen wir auf dem richtigen Pfad wären. Nach einer guten Stunde Aufstieg über das sogenannte „Geiernest“ an der entsprechenden Abzweigung - dem höchsten Punkt der Wanderung - angekommen, bleiben wir aber wie geplant auf dem nach links abzweigenden Hintereggensteig und lassen den Westgipfel, auf den wir von dort über den Sattel der Niederen Munde gelangen könnten, rechts liegen. Ein andermal vielleicht. Lisa hat übrigens vor zwei Jahren beide Mundegipfel überschritten - der Höhepunkt ihrer bisherigen jungen Bergsteiger-Karriere, die schon im Alter von 13 Tagen mit einer Wanderung zur Alpl-Hütte begonnen hatte. Freilich im Tragetuch eng am Körper ihres Papas: „Lisas Geburt 1998 war der Auslöser, mich mit dem Thema Familienwandern intensiv auseinanderzusetzen“, erinnert sich Peter Freiberger. Er war damals als Bergjournalist in Elternkarenz gegangen und sah sich mit einer neuen Situation konfrontiert: Statt Bergläufen in Rekordzeit und extremen Touren hieß es plötzlich „kleinere Brötchen backen“: „Mit Kindertragetuch, Kindertrage und Mountainbuggy, darin meine kleine Tochter und daneben meine Frau, ging es fortan in die Berge. Trockenes und nicht zu kaltes Wetter ist für Touren mit dem ganz jungen Nachwuchs ideal, weil Babies doch aufgrund der fehlenden Bewegung schnell auskühlen. Da heißt es vorsichtig sein.“

Die Entdeckung der Langsamkeit
Inspiriert von dieser „neuen Langsamkeit“ beim Bergsport publizierte Peter in Tirols größter Tageszeitung sowie in allen großen Bergmagazinen im deutschsprachigen Raum selbsterprobte Familienwandertipps und vertiefte sich in viel Praxis und Theorie immer mehr in dieses Thema. Die logische Folge- Publikation war das erste Tiroler Familien- Wanderbuch mit 52 Tipps fürs ganze Jahr: „Es gibt in Tirol nur wenige Ecken, die ich nicht kenne“. Damit ist Peter Freiberger nicht unwesentlich für den Familien- und Genusswander- Boom, der in den letzten Jahren zunehmend spürbar ist, mitverantwortlich. Er ist es gerne: „Der Trend geht eindeutig zur Verlangsamung und das lebe ich am Berg aus. Ich bezeichne mich als alpinen Wanderer, nicht als Hochalpinist. Mir ist wichtig, ein schönes Ziel zu haben und die Tour dorthin zu einem emotionalen Erlebnis zu machen. Dazu gehören schöne Aussichten oder gutes Essen genauso wie beim Winterwandern auch mal ein Schneesturm oder im Sommer die Vorfreude auf einen kristallklaren Bergsee.“
Schneesturm werden wir heute, an diesem schönen Augusttag, keinen erleben, aber das mit dem Essen ist ein gutes Stichwort. Seit der Wegkreuzung „Niedere Munde“ sind wir dem erst steinigen, mit Latschen bewachsenen und dann durch lichten Lärchenwald führenden Hintereggensteig stetig bergab gefolgt, haben Bergwiesen und ein Schotterfeld überquert und befinden uns nun an einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Bergwelt der Mieminger Kette und hinunter zur bekannten Alpl-Hütte. Hier in der wärmenden Sonne wollen wir uns aber erstmal die kleine Speckjause, die aus dem Rucksack duftet, schmecken lassen.
Ein kurzer Einkehrschwung in die Alpl-Hütte gehört dann im Rahmen dieser Wanderung einfach dazu, Kinder finden dort auf rund 1.500 Metern ein natürliches Spiel-Paradies mit Almwiesen und Waldabenteuer.
Danach geht’s eine gute halbe Stunde bergab - auf einer von drei Routen nach Wahl - zurück zum Strassberghaus. 6,3 Kilometer und 620 Höhenmeter haben wir - ohne Einkehr - in ca. drei Stunden bewältigt. Zufrieden schaut Lisa noch einmal hinauf zur Hohen Munde und lächelt. Ein Lächeln, das Papa Peter gerne und zufrieden sieht: „Wer einige Grundregeln beim Wandern mit Kindern beachtet, kann bei den Kleinen eine lebenslange Beziehung zu den Bergen wecken. Die wichtigste davon lautet: Nie die jungen Bergfexen zu etwas drängen oder zwingen! Mit der entsprechenden Motivation kommt der Rest von allein.“ Und sollte der Wille zum Weitergehen doch einmal am Weg bergauf versiegen, kann vielleicht ein „Anruf“ auf der Hütte mit der Aufforderung, doch die Knödelsuppe schon mal am Herd aufzustellen, sehr hilfreich sein...

 

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