Mini Dampf Tirol
Wahre Idealisten: Obmann Hans Meixl und Mitglieder des Vereins Mini Dampf Tirol

Mini Dampf Tirol
Peter Kraly – der »Vater« der Anlage

Mini Dampf Tirol

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„Einsteigeeeeeen“ fordert eine sonore Stimme die Fahrgäste auf. Das mit dem Einsteigen ist aber so eine Sache… »Aufsteigen« trifft es eher. Nur den kleinsten Fahrgästen gelingt es, in den geschlossenen Waggons der »Mini Dampf Tirol«, Tirols größter Gartenbahn in Barwies/Mieming, Platz zu nehmen.

Während die Kinder ihr Privileg des Kleinseins mal ohne Murren auskosten, setzt sich der erwachsene Fahrgast auf einen massentauglichen Open-Air-Waggon. Langsam fährt die Heißdampf-Lok, diesmal ist es eine originalgetreue MH 7 der Mariazeller Bahn, an, »TschTschTschTsch« – wie im Film. Den heißen Dampf regelt der Erbauer der Lok, Peter Kraly aus Telfs. Er hat sich mit dem Dampfross zu seinem 60. Geburtstag einen Traum erfüllt. Zum Plaudern hat der Peter jetzt aber so gar keine Zeit, er wird später mehr erzählen...

Der Geruch von Ruß umweht die Nase, selbiger liegt auch in der Luft. Er verbindet sich liebend gerne mit dem Wasserdampf, den die 1,1-Tonnen-Lok mit ihren 15 PS ebenfalls produziert. Ein markerschütterndes Pfeifen der dampfbetriebenen Signalanlage und das Eisenbahn-Feeling aus längst vergangenen Tagen feiert fröhliche Urständ’. Man beginnt, die Faszination Dampfeisenbahn zu verstehen, die Urgewalt von Feuer und Wasser und die daraus resultierende Energiegewinnung zu spüren.

Vor dem Verfasser dieser Zeilen sitzt Hans Meixl, der Obmann des betreibenden Vereines, und liefert sichtlich stolz Hintergrund­info, während sich die Zugsgarnitur über eine Bogenbrücke auf einen der beiden Tunnels zubewegt: „Der Tunnel hier ist um ein paar Zentimeter länger als der kürzeste Tunnel der Österreichischen Bundesbahnen!“ Respekt. Wir passieren eine Remise mit vorgelagerter Schiebe- und Senkbühne, wie alles am Gelände maßstabgetreu. Überproportioniert scheinen in diesem Minimundus nur die großen Menschen...

Über den heiter plätschernden Bach führt eine weitere Brücke, diesmal eine Kastenbrücke, in Richtung dreigleisigem, überdachtem Bahnsteig. „Zu beachten bitte“, so Meixl begeistert, „der nagelneue Wasserturm.“ Tatsächlich fahren wir zwischen den Pfosten eines voll funktionstüchtigen Wasserspenders für die Lokomotiven durch. Die erste Runde ist schnell gemacht, weshalb es gleich noch eine zweite gibt. An deren Ende steigen die allesamt lächelnden Fahrgäste aus bzw. ab und beobachten den Zugsführer, wie er mit einer kleinen Schaufel Kohlen in den Kessel befördert. Hellrot bis gelb glühen sie auf, er schließt die kleine Türe. „Jetzt wird ordentlich Druck erzeugt für die nächste Fahrt“, erklärt Peter Kraly. Bedenken, dass einem das Werkl, das einen Druck von bis zu 7 Bar erzeugt, um die Ohren fliegen könnte, hat er keine: „Alles doppelwandig und mit Überdruckventilen abgesichert.“

Sie ist ein im wahrsten Sinne kleines technisches Wunder, diese Mini-Lok, und bei weitem nicht das einzige, das in den Remisen des rund 50 Mitglieder zählenden Vereines steht. Aber eben das neueste. 2007 wurde die MH 7 fertig, nach vier Jahren und geschätzten 3.000 Stunden Bauzeit. Am Anfang stand der Plan: „Du brauchst detaillierte Aufzeichnungen, viel Zeit, eine Werkstatt, Geduld und handwerkliches Können“, fasst Kraly die Anforderungen an den ambitionierten Modell-Dampflok-Bauer zusammen. Plan war vorhanden, die Zeit nahm er sich, eine Werkstatt gibt´s im Keller seines Hauses in Telfs, über die Geduld schweigt er und das Handwerkliche hat der pensionierte Installateur und Sohn eines Feinmechanikers intus. Und auf Erfahrung konnte er ebenfalls zurückgreifen, hatte er doch schon ab 1990 fünf Jahre lang eine BR 01 komplett von Hand im Miniformat gebaut. Zudem in seiner Kindheit und Jugend Dampfmaschinen und Raddampfer mit Papa Vinzenz.

Seiner BR 01 wollte er schließlich 1995 das geben, was sie zur Fortbewegung braucht: Schienen. Er tat dies auf einem zuvor gepachteten Gelände im Mieminger Ortsteil Barwies, mit Schubkarre, Betonmischer, Schaufel, Pickel und einer gehörigen Portion Idealismus. Ein Rund-Lokschuppen mit Drehscheibe war verhältnismäßig schnell errichtet, dann geriet die Sache ins Stocken. Richtig »Dampf« in das Projekt kam dann ab dem Jahr 2000: Unter der tatkräftigen Mithilfe von Mitgliedern des Modellbauclubs Zirl wurde auf dem rund 5.000 qm großen Gelände vermessen, gerodet, wurden Wurzelstöcke ausgegraben, Frostkoffer eingebaut, Drainagen verlegt, etc. So entstand die Anlage, wie sie sich heute präsentiert: Mit rund 400 m Gleislänge in den Spurweiten 5 und 7 ¼ Zoll und den erwähnten maßstabgetreuen Gebäuden. Apropos Maßstab. Hans Meixl setzt den Unkundigen in Kenntnis: „Der Maßstab der Loks ist variabel und richtet sich immer nach der Spurweite des Vorbildes. Die Proportionen müssen stimmen. Wir bewegen uns hier in den Maßstäben 1:11 bis 1:4.“

Kinderträume sind auf dieser Anlage gelebte, feurige Realität. Erbaut von Männern, die ihre Träume aus Kindertagen nicht vergessen haben.

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