Auf dem Stahlpferd in die Berg’
Biker aus Leidenschaft: Buggi Haslwanter mit seinem »Schätzchen« Harley

Auf dem Stahlpferd in die Berg’

Auf dem Stahlpferd in die Berg’

Tirol und speziell das Tiroler Oberland sind eine unvergleichliche asphaltierte »Spielwiese« für Menschen, die das Land am liebsten auf zwei motorbetriebenen Rädern durchqueren. Die Alpenpässe sind attraktiver Anziehungspunkt für MotorradfahrerInnen aus der ganzen Welt, obligatorischer Bestandteil von internationalen Tourenbüchern und Fixpunkt eines jeden echten Bikerlebens. ferienhoch.at hat sich mit einem profunden Kenner der Region und leidenschaftlichen Biker auf den Weg gemacht, um für Sie, liebe LeserInnen, drei Touren »hautnah« zu testen. Wertung für alle drei: sehr, sehr, sehr empfehlenswert!!

Burkhard »Buggi« Haslwanter, der Chef des In-Treffs »Dorfstadl« im Kühtai, ist Biker mit Leib und Seele. Das sieht und spürt man. Wann immer es geht, fährt er mit seiner einzigartigen Harley Davidson Heritage Springer (dieses »Moped« hört man von weitem!) zu seiner auf über 2.000 m hoch gelegenen Arbeitsstätte, die Kurven dorthin könnte er – wenn er wollte – blind am Klang der am Asphalt schrammenden Fußrasten erkennen. Will er aber nicht, zu schön ist die Landschaft am Kühtaisattel. Weshalb er und ferienhoch.at auch gleich beschließen, diese Strecke genauer unter die Räder zu nehmen.
Wir starten in Oetz im vorderen Ötztal, wobei die Tour auch umgekehrt von unserem Zielort Kematen bei Innsbruck aus fahrbar ist. Die Strecke ist 42 km lang, leicht zu fahren, gut ausgebaut und hat – ganz wichtig – 10 Kehren. Der vorrangige Genussfaktor liegt in der herrlichen Landschaft, der niedrige Schwierigkeitsgrad macht es leicht, die Schönheiten der Natur links und rechts des Lenkers ausgiebig zu genießen. Über Oetzerau und Ochsengarten geht es bis zum Scheitelpunkt Kühtai auf 2.020 m, wo wir gleich mal im »Dorfstadl« zukehren. Gutes Essen und Trinken, die Landschaft, einen heißen Ofen, der Geruch von Benzin und Leder – was soll man sagen!?
Weiter geht´s hinunter nach St. Sigmund im idyllischen Sellraintal mit Blick auf die Stubaier Alpen, nach Gries, Sellrain und schließlich nach Kematen im Inntal auf 600 m Seehöhe. Von dort lohnt ein Abstecher in die nahe Landeshauptstadt Innsbruck oder man fährt auf der Bundesstraße B 171 durch die Ferienregion tirolmitte wieder zurück ins Oberland. Wir entscheiden uns für letzteres und vereinbaren gleich ein weiteres »Fahrtl« für den nächsten Tag – das herrliche Frühherbst-Wetter will genützt sein!

Wir einigen uns – noch etwas »steif« von der Ausfahrt am Vortag – auf die »Königsdisziplin« für Biker, eine Fahrt auf das berühmte Timmelsjoch, einen der schönsten Alpenpässe Österreichs. Auf 2.509 m führt die Strecke, deren Scheitelpunkt – »Passo Rombo« für Italienisch-Kundige – die Gletscherwelt des Ötztales mit der Südtiroler Weingegend des Passeiertales verbindet. Voller Vorfreude checken wir unsere »steel horses« und los geht´s. Unser Ausgangspunkt ist wieder das Ötztal, der eigentliche Startort heißt Zwieselstein und liegt im hinteren Teil des Tales. Von dort nehmen wir die ersten der insgesamt über 40 Kehren auf den vor uns liegenden knappen 50 Kilometern Fahrt bis St. Leonhard im Pas­seiertal. Die langgezogenen Kehren verlangen einige Kenntnis in der Kunst des Passfahrens, weshalb wir die Strecke vorsichtshalber als mittel bis schwierig einstufen. Wenn Zeit bleibt, wird man mit Panorama-Aussichten auf die umliegenden Nord- und Südtiroler Alpen belohnt. Und Zeit sollte immer bleiben, denn gerade das Timmelsjoch macht am meis­ten Spaß, wenn man es ohne Stress bewältigt. Und das nicht nur wegen der stets drohenden Tempokontrollen, die wir am Rande erwähnt haben möchten.

Am Joch selbst finden wir uns in bester Gesellschaft, denn mehr Biker, die versonnen mit dem Helm unterm Arm in die Bergwelt schauen, sieht man hierzulande selten… Wir genehmigen uns eine mitgebrachte Jause und machen uns nach ein paar getankten Sonnenstrahlen, die auf dieser Höhe sehr willkommen sind, wieder auf ins Tal – ins Passeiertal, um genau zu sein. Hier also wurde 1767 Andreas Hofer, Tirols bedeutendster Freiheitskämpfer, geboren. 2009 jährt sich sein Tod durch Feindeshand in Mantua übrigens zum 200. Male.

In St. Leonhard angekommen, entschließen wir uns zu einer Rückkehr über denselben Weg, ambitionierte BikerInnen werden hier weiter über den Jaufenpass nach Sterzing und von dort über den Brennerpass nach Innsbruck fahren. Wir aber haben ja noch eine ausgiebige Fahrt im Tourenprogramm für diese Woche.

Diese führt uns zwei Tage später von der Gurgltalmetropole Imst weg zuerst auf das Hahntennjoch auf knapp 1.900 m. Getrost können wir diese Strecke als leicht bezeichnen, was nicht bedeutet, dass man sich die Tour mit vielen anderen Verkehrsteilnehmer­Innen teilen muss, jedenfalls nicht mit vierrädrigen Fahrzeugen… Das »Hahntenn«, wie es hierzulande verkürzt genannt wird, ist ziemlich frei von LKW´s, Bussen und Wohnmobilen, die allesamt den nahen Fernpass bevorzugen.

Fährt man über den landschaftlich reizvollen und straßenmäßig bestens ausgebauten Pass bis ins malerische Lechtal, kann man sich bis zum Ort Elmen über 15 Kehren entlang der knapp 30 km langen Tour freuen. Buggi und der Schreiber dieser Zeilen beschließen weiterzufahren Richtung Fernpass. Nach der schon traditionellen Jause fahren wir durch das Tiroler Außerfern bis Stanzach und von dort weiter über Namlos (ja, der Ort heißt wirklich so), Berwang und Bichlbach bis nach Lermoos. Dort beginnt die Fernpassstrecke, auf der man, wie bereits geschrieben, nie allein ist. Der Fernpass ist eine Hauptverkehrsader entlang der Nord-Süd-Achse zwischen den Lechtaler Alpen und der Mieminger Kette, unmittelbar vor der Südflanke des Zugspitz-Massivs. Leicht zu fahren wäre er auch, gäbe es nicht all die anderen Verkehrsteilnehmer auf vier Rädern… Knappe 25 km haben wir bis zu unserem Ausgangspunkt Imst zurückzulegen, der höchste Punkt ist der Fernpass selbst mit seinen 1.200 m Seehöhe. Dort sollte man, ist man an einem heißen Sommertag unterwegs, unbedingt seinem Bike eine Ruhepause am Seitenständer und sich selbst ein erfrischendes Bad in einem der Fernpass-Seen gönnen. Der Fernsteinsee gehört zu den europaweit schönsten Tauchseen und der Blindsee ist beliebtes Ausflugsziel auch für Einheimische. Bestens erreichbar ist der Pass übrigens auch, vom Mieminger Plateau kommend, vom Ort Nassereith aus.

Wir zwei Motorradfreaks verzichten angesichts der doch herbstlichen Temperaturen darauf, unsere Lederkluften abzulegen. Lieber lassen wir die Motoren wieder heimwärts röhren.

Heavy metal thunder? Yes! Born to be wild? Naja, ein nettes Hobby. Im Sommer… Wenn’s nicht regnet… Viel Vergnügen, Biker­Innen Europas, und gute Fahrt in Ideallinie auf den Serpentinen und Spitzkehren!

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