Delikatessen vor der Haustüre
Im Telfer Ortsteil Puite steht die größte Kräuterspirale der Welt

Delikatessen vor der Haustüre

Delikatessen vor der Haustüre

Die Welt der Kräuter ist ein weites Feld. In und um Telfs haben GärtnerInnen das alte Wissen aufblühen lassen. Ihre Begeisterung färbt ab. Ein Spaziergang für die Sinne, bei dem der Entschluss wächst, den Spaten aus der Ecke zu holen.

Kleidung aus Brennnesseln? Was uns an die kratzigen Strumpfhosen in der Kindheit erinnert, war die Baumwolle des Mittelalters. Im Hausgarten der Telferin Doris Haidlen erhält der Besucher verblüffende Einblicke in die Geschichte der Kräuter, die zugleich eine Kulturgeschichte ist. Die gebürtige Vorarlbergerin hat rund 300 Kräuter angepflanzt und um jedes Gewächs rankt sich eine Geschichte.

Vom gängigen Bild eines runzligen Kräuterweibleins ist die promovierte Wirtschaftswissenschafterin jedoch weit entfernt. Kräuterfee würde wohl eher zu der zierlichen Frau passen. Ihr Reich nach dem Vorbild der traditionellen Kloster- und Bauerngärten ist ein Erlebnis für die Augen und den Geruchssinn. In Führungen der Volkshochschule spricht Haidlen über Anbau, Eigenschaften und die vielfältige Verwertung der Kräuter.

Unkraut als Definitionssache

„Mein Garten wird als biologischer Ganzjahresgarten geführt, der sich durch ein Miteinander von ,Chaos´, also natürlichen Pflanzengemeinschaften mit Beikräutern, und ,Ordnung´, gestalterischen Elementen wie Beeteinfassung und Wegen zusammensetzt“, erklärt die Expertin. Sie sei ein Fan des „Stehen- und In-Ruhe-Lassens“. Deshalb tauche sie auch nicht jedem Unkräutlein nach, das ohnehin nur eine Frage der Definition sei. Haidlens Begeisterung für die Pflanzenwelt ist ansteckend. Doch was tun, wenn man keinen grünen Daumen besitzt und sich jedes Gewächs hängen lässt, wenn man es nur schief ansieht? Experimentieren lautet das Credo der „Kräuter Doris“. Gärtnern sei keine Zauberei. Obwohl die Kräuterheilkunde immer mit Aberglaube einherging. So wird etwa Liebstöckel, Senf und Dill der große Liebeszauber zugeschrieben.

Die größte Kräuterspirale der Welt

Eine begehbare Kräuterspirale und zudem die größte der Welt dominiert die Grünanlage der Wohnanlage Puite in Telfs. Tobias Schediwetz hat hier einen Lehrgarten für jedermann im Ausmaß von 21,4 Metern Durchmesser und drei Metern Höhe geschaffen.
Nach den Gesetzen der Permakultur hat er die Spirale angelegt und ist stolz darauf, dass er die Pflanzen noch nie gießen musste. Seine Helfer sind Regenwürmer, die den Boden auflockern und düngen, Mulch, der das Wasser speichert und Steine, die die Temperatur regulieren. Allein 16 Minzesorten finden sich auf der imposanten Anlage.

„Mir ist es wichtig, alte Kulturpflanzen bewusst zu erhalten“, sagt der Permakultur-Meis­terdesigner.

Kleinod im Riss-Schlössl

Fleißige Gärtner waren auch im Flaurlinger Riss-Schlössl am Werk. Nach den Vorgaben des Denkmalamtes und einer Landschaftsarchitektin haben die Damen des örtlichen Gartenbauvereins hier ein wahres Kleinod geschaffen. Thymian und Salbei erfreuen das Auge ebenso wie Pfingst- und Kletterrosen. Eine Oase der Ruhe ist somit beim ehemaligen Jagdschloss von Kaiser Maximilian entstanden.

Mit dem erfrischenden Duft des Salbeis in der Nase wächst der Entschluss, kommenden Sommer eine Gewürzschnecke zu bauen. Bis dahin gilt es, den Basilikum am Fenstersims zu hegen, damit er nicht verdorrt.

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